Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
Seite
178
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und der Jünger Johannes, der am Innigsten geliebt wurde,und wieder liebte, blieben und standen am Kreuze. Dennwahre, echte Liebe ist die stärkste, von jener unreinen undselbstischen Empfindung gereinigte Kraft der Seele, die ebendarin, weil sie eine Kraft ist, den Leidtragenden stark macht.Er trägt und kann tragen sein Leid; er schüttelt es nichtab, er weicht ihm nicht aus; er faßt es fest in's Auge, undeben darum, weil er ihm Gerechtigkeit widerfahren läßt, be-siegt er es. Selig sind die Leidtragenden; denn sie sollengetröstet werden.

Ein solcher Seliger war der König gerade da an deinOrte, wo Er am Glücklichsten gewesen war.

Es war im Frühling 1819, die Wiesen waren wiedergrün, die Bäume blüheten, die Schwalben durchschwirrtcndie helle Luft, die Nachtigallen schlugen, die Störche warenwieder da und gingen auf und ab, ein warmer erquickenderHauch wehte sanft durch ncubelcbte-Felder, Fluren undGärten. Der König und die Königinn eilten voll heitererSehnsucht nach ihrem lieben stillen Paretz. Es war kurzvor Ihrer gewünschten Reise nach Mecklenburg und Hohen-zieritz, also das Letztemal, daß Sie dort war. Sie begrüßtewieder an der Seite Ihres geliebten Gemahls die trautenStätten alle, wo Sie so oft glücklich gewesen war, undvergaß das Unglück, das Sie inzwischen betroffen. Der ein-same, stille, angenehme Ort war derselbe geblieben; dieselbedie in ihrem festen Kreislauf ewige Natur, geschmückt mitfrischer, immer von Neuem blühender Kraft. Beide gingenArm in Arm auf und ab, und genossen, was dem reinenHerzen nicht genommen werden kann. Am Längsten ruheten