Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
Seite
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Provinzen fand, war Ihm und Seinem Hause ein süßerTrost und oft blitzten große Hoffnungen durch. Bei jederGelegenheit machte sich diese Gesinnung Luft und war oft

rund abgeschlossen, und der Herr darin ist so gut König, alsder König auf dem Throne. Mein Wirth ist ein alter präch-tiger Kerl. Er heißt Hofschulze, obgleich er gewiß noch einenandern Namen hat; denn jener bezieht sich auf den Besitz sei-nes Eigenthumes. Ueberall ist das so hier zu Lande; denn derHof hat einen Namen. Der Name des Besitzers geht in demder Scholle unter (Klabae nil«criptu«). Daher das Erdgeborne,Erdzähe und Daucrbare des hiesige» Geschlechts. Das ist einBoden, den seit mehr denn tausend Jahren ein unvermischterStamm trat und die Idee des unsterblichen Volkes wehte mirim Rauschen alter Eichen entgegen. Mein Hofschulze mag einMann von etlichen KV Jahren sein; doch trägt er den starkengroßen, knochigtcn Körper noch ganz ungebeugt. In dem roth-gelben Gesichte ist der Sonnenbrand der fünfzig Ernten, dieer gemacht hat, abgelagert; die große Nase steht wie ein Thurmin diesem Gesichte, und über den blitzenden blauen Augen han-gen die weißen struppigen Braunen, wie ein Strohdach. Ermahnt mich wie ein Erzvater, der dem Gottc seiner Väter vonunbehauenen Steinen ein Mal aufrichtet und Brandopfer dar-auf gießt und Ocl; seine Füllen groß ziehet; sein Korn schnei-det, und dabei über die Seinigcn unumschränkt herrschet undrichtet. Nie ist mir eine compactere Mischung von Ehrwür-digem und Verschmitztem, von Vernunft und Eigensinn vorge-kommen. Er ist rechter, uralter freier Bauer im ganzen Sinnedes Wortes; ich glaube, daß man diese Art Menschen nur nochhier finden kann, wo das zerstreute Wohnen und die altsäch-sischc Hartnäckigkeit fern von großen Städten den privativenCharakter Germaniens aufrecht erhalten hat. Alle Regierungenund Gewalten sind darüber hingcstrichen, haben wollen dieSpitzen des Gewächses abbrechen, aber die Wurzeln nicht aus-rotten können, denen dann immer wieder frische Sprößlingeentsprossen, wenngleich diese nicht mehr zu Kronen und Wip-feln sich zusammenschließen durften."

(Erster Th. S. 138, 182 und 21N).