Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
Seite
51
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öl

sie fesseln würden. Die Königinn Luise hatte das, allen vor-züglichen Frauen eigene Talent, bei Ihrer vielseitigen Bil-dung und allumfassenden Liebe, sich schnell mit richtigemTacte in die cigcnthümliche Denk- und Gesühlswcise An-derer Hineinsinden zu können.

Die Rückreise des Königs und der Königinn mit denKöniglichen Kindern nach Berlin glich, wenngleich das Un-glück im reichsten Maße über Sic ausgeschüttet war, dennocheinem Triumphzuge. Ungern trennte sich die Königinn vonKönigsberg; denn wenngleich Sie eine sehr traurige Zeit dortverlebt hatte, so war diese doch versüßt durch die Achtung,Liebe und Anhänglichkeit seiner Bewohner; und dann warSie reicher geworden als Mutter; mit 5 Kindern war Siehingezogen, mit 7 kehrte Sie zurück. Ost überfallen dasHerz, besonders das weibliche, welches mehr in Gefühlen,als in Ideen lebt, unerklärliche bange Ahnungen. In derRegel sind sie das räthselhafte Spiel der regellosen Einbil-dungskrast und nichts mehr als Träume, bald frohe, baldtraurige, und jene und diese sind bald vergessen; zuweilensind aber auch, besonders in reinen Gemüthern, Ahnungen,prophetische Stimmen, die tief in der Seele ankündigen, waswerden und kommen kann, und unvermeidlich kommen wird.Es ist dicß eine Erscheinung, die wir in den ältesten Zeiten schonfinden, und die mehr oder minder mit der übersinnlichen Weltund durch diese mit der Gottesfurcht zusammenhängt. Grie-chen und Römer reden viel vom Genius und einem gött-lichen Anhauche. Je tiefer indeß die Wissenschaft in die Gründeder rationalen und empirischen Psychologie dringt, und jeaufgeklärter ein Zeitalter wird, desto häusiger verlieren sichAhnungen, die mehr ein Product der Dämmerung sind, als