39
des siegreichen Feindes war, nicht ganz vernichtet wurde.Es war von ihm so viel übrig geblieben, daß sich das neueWerk denn doch an das alte wieder anknüpfen ließ. Dcß-halb war Sie ohne Murren und mißbilligte dasselbe bei An-deren. Sie tadelte gewaltsame Maßregeln und Eingriffe,welche das Ucbel nicht heben, sondern leicht dasselbe, wennsie mißlangen, härter und ärger machen konnten. Deßhalbversprach Sie sich von dem sogenannten „Tugcndbunde" wenig;und noch weniger der König. Er duldete ihn, oder viel-mehr Er that, als wenn er nicht da wäre, und ging ruhigSeinen Weg. Mit Ihm war die Königinn der Uebcrzeu-gung, daß die Zeit und ihre große Sache in den Händender göttlichen Vorsehung liege und ihre Fügungen und Winkein wirklichen Begebenheiten abgewartet werden müßten. DießVertrauen dürfe aber kein unthätigcs sein, sondern Alles,was gcthan werden müsse, um eine bessere Zukunft herbeizu-führen, müsse geschehen. Vorzüglich zeichnet sich in dieserBeziehung ein Schreiben der Königinn aus an den damali-gen Probst Hanstein, der Sie gebeten hatte, das zum Be-sten armer Kinder errichtete Institut „Luisen-Stift" nennenund unter Ihr Protectorat stellen zu dürfen. Sie antwor-tete darauf eigenhändig Folgendes:
„Neigung zum Wohlthun war von jeher ein hervorste-chender Zug in dem Charakter der Berliner; nie hat sichderselbe schöner entwickelt, als in dem eben beendigten un-glücklichen Kriege, und durch die von Ihnen, würdiger HerrProbst, angezeigte Stiftung zum Unterhalte, Erziehung undUnterricht unberathener Knaben von armen noch lebendenEltern. Für Waisen fehlt es nicht an Stiftungen mancher-lei Art; aber an Hülssbedürftige aus der genannten Klasse