Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

38

Trost und Aufheiterung. Sie erbaute sich am Meisten, wennSie sogenannt^ profane Schriften las. So schrieb Sic un-ter Anderem an den alten Herzog, Ihren Vater, vor dem Sie,eine gute Tochter, am Liebsten Ihr Herz ausschüttete:Ichlese viel und denke viel, und, wenngleich von Leiden undLeidenden umringt, giebt es Tage, mit denen ich zufriedenbin, besonders dann, wenn ich aus den Begebenheiten derVergangenheit, selbst den unglücklichsten und vcrhängnißvoll-stcn, lerne, wie gerade sie das Mittel und der Weg zu Grö-ßerem, zur in der Hitze gereisten Tugend, geworden sind.Es ist wahr, daß die Menschen und die Gegenwart keinenAntheil daran haben, in meinem Innern bereitet sich Alles.Das Bedürfniß, in Idealen zu leben, war mir von jehereigen und gehört zu meiner Natur. Vor allen Dingen(darauf kommt Sie am Liebsten und immer wieder zurück)ist es die Freundschaft des. Königs, Sein Zutrauen undSeine liebevolle, zarte Begegnung, welche mein Glück aus-machen. Der König ist herzlicher und besser, als je, fürmich. Großes Glück und große Beruhigung für mich nach14 jähriger Ehe; wir sind uns neu geblieben und unentbehr-lich geworden."

Bei jeder schicklichen Gelegenheit, aber auch nur bei die-ser, denn Sic war bei aller Offenherzigkeit doch nicht ge-schwätzig, sprach Sie Ihre Gedanken und Ansichten überGegenwart und Zukunft, über den Gang und die Lage derDinge aus, und Sie that es um so lieber, da Sie auchhierin mit dem Könige übereinstimmend dachte. Mit Ihmtheilte Sie zwar den Schmerz über die vernichtenden Bedin-gungen des Tilsitcr Friedens; aber Sie empfand es mitDank, daß der Preußische Staat, der ganz in den Händen