Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
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Modisicationcn und Gradationen nach dem Standpunkteder Cultur, das Sittcngesetz, oder die moralische Natur, derfeste Punkt, um den sich Alles drehe und bewege. Dicßsei der goldene Faden, der durch alle Jahrhunderte inder Geschichte der Völker fortlaufe. Sie glaubte als gleich-bleibende Regel und als leitenden Grundsatz zu bemerken undin den Begebenheiten der Welt zu finden, daß durch Sittcn-losigkeit und Ucbermuth, durch Stolz und Sicherheit ver-derbte und cingcschlafene Völker, durch natürlich einbrechen-des Unglück gezüchtiget und durch Leiden und Drangsalegestählt und gebessert, wieder gehoben nnd mächtig würden.Wenn Sie in diesem moralischen Kreisläufe, der gleichwohlein fortschreitender zum Besseren sei, auf der einen Seite,eine Demüthigung in Ihrem Schmerze fand, so fand Siedarin auf der andern Seite Erhebung, Trost und Hoffnung.Darum verzagte Sie uicht. Es hatte sich zwar in IhrerGemüthsstimmung eine gewisse Wehmuth eingefunden: aberda diese nicht Weinerlichkeit, sondern mit Klarheit und Le-bendigkeit verbunden war, so machte diese Ihren weiblichenCharakter um so anziehender. Dazu kam, daß Sie nurmit Geistesverwandten über Ihre Lage und die Leiden derZeit sprach; im gewöhnlichen Leben war Sic heiter undman merkte es Ihr nicht an, daß Sic in einsamen Stun-den ernsten Betrachtungen nachhing. Ihre Frömmigkeit warnicht (was man durchgängig bei schwer geprüften Frauenfindet) eine gedrückte, weinerliche, sondern, zum Beweise derGesundheit und Wahrheit, eine ruhige und heitere, so daß,wenn man Sie sah und sprach, man hätte glauben sollen,es mangle Ihr gar nichts und es wäre Alles so, wiees sein sollte. Sie las und studirte, wie schon oben be-merkt, Geschichte, besonders die ältere, und fand darin