Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
Seite
32
Einzelbild herunterladen
 

32

Art, von der einen Seite des Ucbermuthes im Glücke, vonder anderen der tiefen Demüthigung und Widerwärtigkeit,vor Augen; aber die Zusammenkunft des siegreichen Franzö-sischen Kaisers Napoleon mit dem Könige von PreußenFriedrich Wilhelm III. und Seiner Gemahlinn Luise gehört zuden seltenen Weltbcgebenhciten, wie man sie nicht weiter indieser Art gesehen hat.

Um das Zwingende, die innere Disharmonie dieserunnatürlichen Zusammenkunft zu verstecken und zu befirnissen,ließ der reiche Kaiser die Königinn, sie äußerlich zu eh-ren, in einem prachtvollen achtspännigcn Staatswagen un-ter einer zahlreichen und glänzenden Bedeckung von denDragonern der Garde abholen. Der König, der die äußereHerrlichkeit nicht wollte, weil Er ihrer nicht bedurfte, *) war

*) Er fuhr in einem einfachen Wagen, auch nachher, wieder großund reich, wenn Er nicht auf Reisen war, immer nur mit 2Pferden, ohne Bedeckung, und mit einfach gekleideter, nur-thiger Bedienung. Es lag in Seiner Natur, einfach zu seinund alles Unnöthige von sich zu thun. Wo zwei Pferde hin-reichten, um schnell und sicher von einem Orte zum andern zukommen, brauchte Er nie viere. Aussehen machen und die Au-gen der großen Menge auf sich zu ziehen, liebte Er nicht undSein Inneres gab sich kund und trat hervor in Allem, wasIhn umgab. Er war wahr in allen Stücken; nie konnte ErEtwas scheinen, was Er nicht war; vielmehr schien Er weni-ger, als Er war. Ein wahrer Deutscher Charakter. DasWortIZquipa^a" ist Französischen Ursprungs; und es istpsychologisch lehrreich, daß ein Einspänner in dieser Spracheein üomi - iorluna heißt. Einen Einspänner hält sich, wernicht zwei Pferde halten kann. Bei einer Equipage ist vonder lortune nicht mehr die Rede. Das wahre Glück und dieZufriedenheit wohnet da, wo man nur das hat, was man ebenbraucht und genießt. Der Reichthum macht satt, und dieseSattheit, die nichts vermißt, macht unlustig. Zufällig nach