3l
nung gefallen zu lassen. „Was mich das kostet," schrieb Siedamals, „weiß mein Gott; denn wenn ich gleich den Mannnicht hasse, so sehe ich ihn doch als den an, der den Königund sein Land unglücklich gemacht. Seine Talente bewun-dere ich, aber seinen Charakter, der offenbar hinterlistigund falsch ist, kann ich nicht lieben. Höflich und artig ge-gen ihn zu sein, wird mir schwer werden. Doch das Schwerewird einmal von mir gefordert. Opfer zu bringen, bin ich ge-wohnt." *) Bollkommen mit sich einig, voll von der Würde,welches ein ruhiges Selbstbewußtsein giebt, ging Sie mitder Unbefangenheit, die Ihr eigenthümlich unter allen, auchden traurigsten Verhältnissen und schwersten Aufgaben alsWahrheit des Charakters blieb, nach Tilsit, um den KaiserNapoleon zu sehen und zu sprechen.
Welche Contrastc! — vielleicht hat die Welt sie nieärger und schreiender gesehen., Er der Sieger, der Königder Besiegte, Sie und Ihr Haus. Er der Glückliche, Sicdie Unglücklichen. "Er der Ueberwinder, Sie die Gedemüthigten.Er mit Pracht, Stärke und Herrlichkeit umgeben, Sie aufdie Grenze Ihres Reiches reducirt und ohnmächtig. Er indem stolzen Gefühl seiner Alles vermögenden Stärke, Sicnach allen Anstrengungen und Opfern klein und ohne Landund Leute. Er das Schicksal und die Verfügung in seinerWillkühr, Sie von seiner Gnade abhängig. Er stolz undgebieterisch, Sie herabgedrückt und unglücklich. Die Ge-schichte, besonders die ältere, stellet uns Beispiele ähnlicher
') So schrieb Sic damals in Ihr Tagebuch auf dem ominösenWege nach Tilsit.