Druckschrift 
2,2 (1845)
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nährt ihn. Es hängt ihm nach, vorzüglich an den Gräbernder früh Vollendeten; in seiner stillen Wehmuth liegt Trost,und ihn vergessen und verschmerzen, ist unmöglich.*) DieMutterliebe will, wenn sie trauert, sich nichttrösten lassen, sagt mit tiefer Kenntniß des menschlichenHerzens die heilige Schrift. Und wenn sie fröhlich seinkann und glücklich ist, genießt sie stillvergnügt eine Wonne,der keine andere an Tiefe und Befriedigung gleichkommt.

") Referent hat in seiner Gemeinde eine gebildete, geistreiche Frauaus den höheren Ständen gekannt, deren zwanzigjähriger Sohndurch selbst verschuldete, erst verschwiegene, dann verkehrt be-handelte Krankheit in den erschrecklichsten Zustand verfiel, daßsein ganzer mit Geschwüren bedeckter Körper in Verwesunggerieth und lebendig allmählich in seinen äußeren Thcilen ver-faulte. Die Ausdünstung in der Nähe war unerträglich undnicht länger als 12 Minuten konnte ich's, so oft ich den Kran-ken als Seelsorger besuchte, aushalten. Und doch wollte undkonnte die Mutter, wie wohl sie reich war, und abwechselndgeschickte Krankcnwärtcrinnen ihr zu Gebote standen, sich dieWartung und Pflege des armen leidenden Sohnes in eigenerPerson nicht nehmen lassen. Sie war ununterbrochen Tagund Nacht bei ihm, und dieser entsetzliche Zustand dauerte volle3 Jahre. Als er endlich gestorben und begraben, war es derMutter nicht so, als wenn sie nun eine schwere Last los ge-worden sei, vielmehr beklagte, beweinte und betrauerte sie an-haltend den Tod des Schmerzenkindes. Auf meine Frage:Wollten Sie denn wohl, daß er noch lebte?" antwortete siemit Thräncn:Ach Gott! ja, und wenn der Jammer auchnoch 1«) Jahre gedauert haben sollte; ich hätte meinen Ludwigdann doch noch und könnte ihm in's Auge sehen: gerade in sei-nen und meinen Schmerzen wurde er mir so lieb und unent-behrlich." Die Tiefe der Liebe eines mütterlichen Herzens istunerschöpflich und unergründlich. Können und dürfen das Kin-der vergessen?

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