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10 (1898) Französische Zustände : 2
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Musikalische Berichte aus Paris. 275

alten Dessaucr unrecht, wenn er meint, daß derselbe nicht alle Mittelanwende, nm die Kompositionen zum Gehen zu bringen. Nicht bloßdie männlichen, sondern auch die weiblichen Gänsefedern sucht derÄrmste zu solchem Zwecke in Bewegung zu setzen. Er hat sogar einealle vaterländische Gans gesunden, die ans Mitleid einige Lobretlamcnim sentimental flauesten Deutsch-Französisch für ihn geschrieben, undgleichsam durch gedruckten Balsam seine Melancholik zu lindern gesuchthat. Wir müssen die brave Person um so mehr rühmen, da nurreine Menschenliebe, Philanthropie, im Spiele, und der alte Dessanerschwerlich durch sein schönes Gesicht die Frauen zu bestechen vermöchte.Über dieses Gesicht sind die Meinungen verschieden; die einen sagen,es sei ein Vomitiv, die andern sagen, es sei ein Laxativ. So vielist gewiß, bei seinem Anblick beklemmt mich immer ein fatalesDilemma, und ich weiß alsdann nicht, für welche von beiden An-sichten ich mich entscheiden soll.*) Der alte Dessaner hat dem hiesigenPublikum zeigen wollen, daß sein Gesicht nicht, wie man sagte, dasfatalste von der Welt sei. Er hat in dieser Absicht einen jüngerenBruder expreß von Prag hierher kommen lassen, und dieser schöneJüngling, der wie ein Adonis des Grindes aussieht, begleitet ihnjetzt überall in Paris. —

Entschuldige, teurer Leser, wenn ich dich von solchen Schmeiß-fliegen unterhalte; aber ihr zudringliches Gesumse kann den Geduldigstenam Ende dahin bringen, daß er zur Flicgeuklatsche greift, linddann auch wollte ich hier zeigen, welche Mistkäfer von unseren biederenMusikvcrlegern als deutsche Nachtigallen, als Nachfolger, ja, alsNebenbuhler von Schubert angepriesen werden. Die PopularitätSchuberts ist sehr groß in Paris, und sein Name wird in der un-verschämtesten Weise ausgebeutet. Der miserabelste Liederschnnderscheint hier unter dem fingierten Namen Camille Schubert, unddie Franzosen, die gewiß nicht wissen, daß der Vorname des echtenMusikers Franz ist, lassen sich solchermaßen täuschen. Armer Schubert!Und welche Texte werden seiner Musik untergeschoben! Es sindnamentlich die von Schubert komponierten Lieder von Heinrich Heine,welche hier am beliebtesten sind, aber die Texte sind so entsetzlichübersetzt, daß der Dichter herzlich froh war, als er erfuhr, wie wenigdie Musikverleger sich ein Gewissen daraus machen, den wahren Autorverschweigend, den Namen eines obskuren französischen Paroliers aufdas Titelblatt jener Lieder zu setzen. Es geschah vielleicht auch ans

") Der Schlich dieses Absatzes fehlt in der französischen Ausgabe. Der Name„Dessauer" ist dort in „de Sauer" geändert, und Heine schreibt in Bezug hierauf,wie folgt: „Ich nintz jedoch bemerken, daß ich den Namen des Musikers, von demich soeben geredet, falsch geschrieben habe, und daß er ohne Zweifel ganz denselbenNamen wie der alte Dessaner, der berühmte Verfasser des Dessaner Marsches, führt,"

Der Herausgeber,

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