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10 (1898) Französische Zustände : 2
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272 Französische Zustände. II.

aber noch größer ist seine Fruchtbarkeit, worin er nur de» Kaninchennachsteht. In der Opera comiqne sahen wir ,Ua park cku ckiadlo«,Text von Scribe, Musik von Ander; Dichter und Komponist Passenhier gut zusammen, sie sind sich auffallend ähnlich in ihren Vorzügenwie in ihren Mängeln. Beide haben viel Esprit, viel Grazie, vielErfindung, sogar Leidenschaft; dem einen fehlt nur die Poesie,während dem andern nur die Musik fehlt. Das Werk findet seinPublikum und macht immer ein volles Hans.

In der ^.oackömis roxalo cks musigus, der großen Oper, gabman dieser Tage „Karl VI.", Text von Casimir Delavigne, Musikvon Halevy. Auch hier bemerken wir zwischen dem Dichter undKomponisten eine wahlverwandte Ähnlichkeit. Sie haben beide durchgewissenhaftes edles Streben ihre natürliche Begabnis zu steigerngewußt und mehr durch die äußere Zucht der Schule als durch innereUrsprünglichkeit sich herangebildet. Deshalb sind sie auch beide nieganz dem Schlechten versallen, wie cS dem Originalgcnic zuweilenbegegnet; sie leisteten immer etwas Erquickliches, etwas Schönes,etwas Respektables, Akademisches, K lnssisches. Beide sind dabei gleichedle Naturen, würdige Gestalten, und in einer Zeit, wo daS Goldsich geizig versteckt, wollen wir an dem kursierenden Silber nichtgeringschätzig mäkeln. „Der fliegende Holländer" von Dich ist seitdemtraurig gescheitert; ich habe diese Oper nicht gehört, nur das Librettokam mir zu Gesicht, und mit Widerwillen sah ich, wie die schöne Fabel,die ein bekannter deutscher Schriftsteller >H. Heine! fast ganz mundgerechtfür die Bühne ersonnen, in dem französischen Texte verhunzt worden.

Der „Prophet" von Meyerbeer wird noch immer erwartet, undzwar mit einer Ungeduld, die, aufs unleidlichste gesteigert, am Endein einen fatalen Unmut überschlagen dürfte. Es bildet sich hierschon ohnehin eine sonderbare Reaktion gegen Mcyerbeer, den manin Paris die Huld nicht verzeiht, die ihm in Berlin gnädigst zu teilwird. Man ist ungerecht genug, ihm manche Politische Grämlich-kciten entgelten zu lassen. Bedürftigen Talenten, die zu ihremLebensunterhalt auf die allerhöchste Gunst angewiesen, verzeiht manweit eher ihre Dienstbarkcit, als dem großen Maestro, der unabhängigmit einem grandiosen, fast genialen Vermögen zur Welt gekommen.

In der That hat er sich sehr bedenklichen Mißverständnissenbloßgestellt; wir werden vielleicht nächstens darauf zurückkommen. —Die Abwesenheit von Berlioz ist fühlbar. Er wird uns hoffentlichbei seiner Rückkehr viel Schönes mitbringen; Deutschland wird ihngewiß inspirieren, wie er auch jenseits des Rheins die Gemüter be-geistert haben muß. Er ist unstreitig der größte und originellsteMusiker, den Frankreich in der letzten Zeit hervorgebracht hat; erüberragt alle seine Kollegen französischer Zunge.

AlS gewissenhafter Berichterstatter muß ich erwähnen, daß unter