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10 (1898) Französische Zustände : 2
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Französische Zustünde. II.

sein, die ihre Flammenbrände über die ganze Weli verbreitet, manchentrostlosen Kerker erleuchtet, vielleicht aber auch manchen stillen Un-schuldstempcl verderblich entzündet haben. Der Autor vonLelia"hat stille, sanfte Augen, die weder an Sodom noch an Gvmorrha er-innern. Sie hat weder eine emancipierte Adlernase, noch ein witzigesStumpfnäschen; es ist eben eine ordinäre gerade Nase. Ihren Mnndumspielt gewöhnlich ein gntmiitiges Lächeln, es ist aber nicht sehranziehend; die etwas hängende .Unterlippe verrät ermüdete Sinnlich-keit. DaS Kinn ist vvllfleischig, aber doch schön gemessen. Auch ihreSchultern sind schön, ja prächtig. Ebenfalls die Arme nnd die Hände,die sehr klein, wie ihre Füße. Tie Reize dcS Busens mögen andereZeitgenossen beschreiben; ich gestehe meine Inkompetenz. Ihr übrigerKörperbau scheint etwaS zn dick, wenigstens zu kurz zu sein. Nurder Kopf trägt den Stempel der Idealität, erinnert an die edelstenÜberbleibsel der griechischen Kunst, und in dieser Beziehung konnteimmerhin einer unserer Freunde die schöne Frau mit der Marmor-statue der Venus von Milo vergleichen, die in den unteren Sälendes Lonvres aufgestellt. Ja, George Sand ist schön wie die VenuSvon Milo; sie übertrifft diese sogar durch manche Eigenschaften: sieist z. B. sehr viel jünger. Die Phhsiognomen, welche behaupten, daßdie Stimme deS Menschen seinen Charakter am untrüglichsten aus-spreche, würde sehr verlegen sein, wenn sie die außerordentliche Innigkeit einer George Sand ans ihrer Stimme hcranslanschen sollten.Letztere ist malt und welk, ohne Metall, jedoch sanft und angenehm.Die Natürlichkeit ihres Sprechens verleiht ihr einigen Reiz. VonGesangSbcgabnis ist bei ihr keine Spur; George Sand singt höchstensmit der Bravour einer schönen Kriselte, die noch nicht gefrühstückthat oder sonst nicht eben bei Stimme ist. Das Organ von GeorgeSand ist ebensowenig glänzend wie das, was sie sagt. Sie hatdurchaus nichts von dem sprudelnden Esprit ihrer Landsmänninnen,aber auch nichts von ihrer Geschwätzigkeit. Dieser Schweigsam-keit liegt aber weder Bescheidenheit noch shmpathetisches Versenkenin die Rede eines andern zum Grunde. Sie ist einsilbig vielmehraus Hochmut, weil sie dich nicht wert hält, ihren Geist an dir znvergeuden, oder gar aus Selbstsucht, weil sie das Beste deiner Redein sich aufzunehmen trachtet, nur es später in ihren Büchern zu ver-arbeiten. Daß George Sand aus Geiz im Gespräche nichts zu gebenund immer etwas zu nehmen versteht, ist ein Zug, worauf michAlfred de Musset einst aufmerksam machte.Sie hat dadurch einengroßen Vorteil vor uns andern," sagte Musset, der in seiner Stellungals langjähriger Cavaliere serveute jener Dame die beste Gelegenheithatte, sie gründlich kennen zu lernen.

Nie sagt George Sand etwas Witziges, wie sie überhaupt eineder unwitzigstcn Französinnen ist, die ich kenne. Mit einem liebens-