2W Französische Zustände. II.
amvenden. Nach Shakespeare, der uns in der Kleopatra, die ich einsteine Usiirs snbrstsnus genannt habe, ein tiefsinniges Beispiel solcherFrauengcstalten aufgezeichnet hat, ist gewiß unser Freund Honorsde Balzac derjenige, der sie mit der größten Treue geschildert. Erbeschreibt sie, wie ein Naturforscher irgend eine Tierart oder einPathologe eine Krankheit beschreibt, ohne moralisierenden Zweck, ohneVorliebe noch Abscheu. Es ist ihm gewiß nie eingefallen, solchePhänomens zu verschönern oder gar zu rehabilitieren, was die Knustebensosehr verböte, als die Sittlichkeit . . .
Ich wollte aussprechen, daß das Verfahren seines KollegenGeorge Saud ein ganz anderes ist, daß dieser Schriftsteller eine bestimmte Tendenz vor Augen hat, die er in all seinen Werken vcrfolgt; ich wollte sogar aussprechen, daß ich diese Tendenz nicht billige —allein es fällt mir rechtzeitig ein, daß solche Bemerkungen sehr übelam Platze wären in einem Augenblick, wo alle Feinde deS Autorsder „Lelia" gemeinsame Sache im Thöätre Fran?aiS wider siemacheu. Aber was, zum Henker! wollte sie auf dieser Galeere? Weißsie denn nicht, daß man eine Pfeife für einen Svn kaufen kann, daßder armseligste Tropf ein Virtuos auf diesem Instrumente ist? Wirhaben Leute gesehen, die Pfeifen konnten, als wären sie Paganinis ...
Spätere Notiz.
(1840.)
Berichterstattungen über die erste Vorstellung eines Dramas, woschon der gefeierte Name des Autors die Neugier reizt, müssen mitgroßer Eilfertigkeit abgefaßt und abgeschickt werde», damit nicht böswillige Mißurteile oder verunglimpfender Klatsch einen bedenklichenVorspruug gewinnen. In den vorstehenden Blättern fehlt daherjede nähere Besprechung des Dichters oder vielmehr der Dichterin,die hier ihren ersten Bllhncnversuch wagte, ein Versuch, der gänzlichmißglückte, so daß die Stirne, die au Lorbeerkränze gewöhnt, diesmalmit sehr fatalen Dornen gekrönt worden. Für die angedeutete Eutbehrnis in obigem Berichte bieten wir heute einen notdürftigen Ersatz,indem wir aus einer vor etlichen Jahren geschriebenen Monographieetwelche Bemerkungen über die Person, oder vielmehr die persönlicheErscheinung George Sauds hier mitteilen. Sie lauten, wie folgt:
„Wie männiglich bekannt, ist George Sand ein Pseudonym, derbloni eis Kusrrs einer schönen Amazone. Bei der Wahl diesesNamens leitete sie keineswegs die Erinnerung an den unglückseligenSaud, den Meuchelmörder Kvtzebues, des einzigen LustspicldichterSder Deutschen. Unsere Heldin wählte jenen Namen, weil er die ersteSilbe von Sandcau; so hieß nämlich ihr Liebhaber, der ein achtuugswerter Schriftsteller, aber dennoch mit seinem ganzen Namen nicht