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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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60
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kt> Französische Zustände. II.

Knuten, soll ein Korrespondent besprechen. Ich werde daher diejetzige Korruption, das Bestechnngssystem, womit meine Kollegen indeutschen Zeitungen so viele Kolumnen anfüllen, weder in Fragestellen noch rechtfertigen. Was geht das uns an, wer irr Frankreichdie besten Ämter, die fettesten Sinekuren, die prachtvollsten Ordenerschleicht oder an sich reißt? WaS kümmert es uns, ob es einSchnapphahn der Rechten oder ein Schnapphahn der Linken ist, derdie goldenen Gedärme des Budgets einsteckt? Wir haben nur dafürzu sorgen, daß wir uns selbst in der respektiven Heimat von unserenheimischen Tories oder Whigs durch keinen Titel, durch kein Bändchenerkaufen lassen, wenn es gilt, für die Interessen des deutschen Volkszu reden oder zu stimmen! Warum sollen wir jetzt über den Splitter,den wir in französischen Augen bemerkt, so viel Zeter schreien, wennwir uns über den Balken in den blauen Augen unserer deutschenBehörden entweder gar nicht oder sehr kleinlaut äußern dürfen?Wer konnte übrigens in Deutschland beurteilen, ob der Franzose, !dem das französische Ministerium eine Stelle oder Gunst gewährt,dieselbe verdienter- oder nnverdicnterweise empfing? Die Ämterjägerei wird nicht aufhören unter einem Ministerium Thiers oder lBarrvt, wenn Guizot fällt. Kämen gar die Republikaner ans Ruder, !so würde die Korruption sich mehr im Gewände der Hypokrisie zeigen,statt daß sie jetzt ohne Schminke, schier naiv cynisch auftritt. DiePartei wird immer den Männern der Partei die große Schüssel vorsetzen. Einen entsetzlich grauenhaften Anblick böte uns gewiß die iStunde, „wo sich das Laster erbricht und die Tugend zu Tische setzt!"Mit welcher Wolfsgier würden die armen Hungerleider der Tugend ,nach der lange» Fastenzeit sich über die guten Speisen hcrstürzen!Wie mancher Cato würde sich bei dieser Gelegenheit den Magen verderben! Wehe den Verrätern, die sich satt gegessen und sogar RebHühner und Trüffeln gegessen und Champagner getrunken während ^unserer jetzigen Zeit der Verderbnis, der Bestechung, der GnizotschenKorruption!

Ich will nicht nutersuchen, von welcher Beschaffenheit diese so-genannte Guizotschc Korruption ist, und welche Bcklagnisse die verletzten Interessen anführen. Muß der große Puritaner wirklich seinerSelbsterhaltnng wegen zu dem anglikanischen Bestechnngssystem seineZuflucht nehmen, so ist'er gewiß sehr zu bedauern, eine Vcstalin,welche einer inaison eis tolsranes vorstehen müßte, befände sichgewiß in keiner minder unpassenden Lage. Vielleicht besticht ihnselbst der Gedanke, daß von seiner Selbsterhaltnng auch der Fortbestand des ganzen jetzigen gesellschaftlichen Znstandes von Frankreichabhängig sei. Das Zusammenbrechen desselben ist für ihn derBeginn aller möglichen Schrecknisse. Guizot ist der Mann deS geregelten Fortschrittes, und er sieht die teuren, blnttenren Erworben