Die parlamentarische Periode des Bilrgerkötticstnms. 43
System, als daS des Königs, ist auch zu sehr Hofmauu, um einanderes haben zu wollen, und das weiß der König, und er ist Mi-nister nach dem Herzen Ludwig Philipps. Ihr werdet sehen, jedesmalwenn man ihm die Wahl lassen wird, Herrn Guizot oder HerrnThiers zum Premierminister zu nehmen, wird Ludwig Philipp immerwehmütig antworten: „Laßt mich Mols nehmen." Der König erinnertmich bei dieser Gelegenheit an einen kleinen Jungen, dem ich einSpielzeug kaufen wollte. Als ich ihn fragte, was ihm lieber wäre,ein Chinese oder ein Türke, antwortete der Kleine: „Ich will lieberein rot angestrichenes Holzpferdchcn, mit einer Flöte im Steiß."Wenn Louis Philipp sagt: „Laßt mich Mvlü nehmen," so darf mannicht vergessen: Mols, das ist er selber, und da doch einmal geschieht, waser will, so wäre es gar kein Unglück, wenn Mols wieder Minister würde.
Aber ein Glück wäre es auch nicht, denn das königliche Systemwürde nach wie vor in Wirksamkeit bleiben, und wie sehr wir dieedle Absicht des Königs hochschätzen, wie sehr wir ihm den bestenWillen für das Glück Frankreichs zutrauen, so müssen wir doch be-kennen, daß die Mittel zur Ausführung nicht die richtigen sind, daßdas ganze System keinen Schuß Pulver taugt, wenn es nicht gareinst durch einen Schuß Pulver in die Luft springt. Ludwig Philippwill Frankreich regieren durch die Kammer, und er glaubt alles ge-wonnen zu haben, wenn er durch Begünstigung ihrer Glieder beiallen Regicrungsvorschlägen die parlamentarische Majorität gewonnen.Aber sein Irrtum besteht darin, daß er Frankreich durch die Kammerrepräsentiert glaubt. Dieses aber ist nicht der Fall, und er verkenntganz die Interessen eineS Volks, welche von denen der Kammer sehrverschieden sind und von letzterer nicht sonderlich beachtet werden.Steigt seine Jmpopnlarität bis zu einem bedenklichen Punkte, sowird ihn schwerlich die Kammer retten können, und es ist noch dieFrage, ob jene begünstigte Bourgeoisie, für die er so viel thut, ihmim gefährlichen Augenblicke mit Enthusiasmus zu Hilfe eilen wird.
„Unser Unglück ist," sagte mir jüngst ein Habitus der Tuilcrien,„daß unsere Gegner, indem sie uns schwächer glauben, als wir sind,uns nicht fürchten, und daß unsere Freunde, die zuweilen schmollet:,uns eine größere Stärke zumuten, als wir in Wirklichkeit besitzen."
IU.
Paris, dca 5. Mai 1843.
Die eigentliche Politik lebt jetzt zurückgezogen in ihren: Hotelans dein Boulevard des Capncincs. Industrielle und artistischeFragen sind unterdessen an der Tagesordnung, und man streitetjetzt, ob das Zuckerrohr oder die Runkelrübe begünstigt werden solle,ob es besser sei, die Nordeisenbahn einer Kompanie zu überlassenHeiners Werte. X. Vd. 4