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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Die parlamentarische Periode des Bürgerkönigtums. 47

Taitbvnt auf der Bischofsbank, zur Seite des Vaters, nämlich En-fantins; er zeichnete sich ans durch einen gvtterlcuchteten Prophctcntvn,und auch in der Stunde der Prüfung gab er als Märtyrer Zeugnisfür die neue Religion. Von den Lustspielen Dnveyriers wollen wirheute nicht reden, sondern von seinen politischen Broschüren; denner hat die Theaterearrierc wieder verlassen und sich ans das Feld derPolitik begeben, und diese neue Umwandlung ist vielleicht nichtminder merkwürdig. Aus seiner Feder flössen die kleinen Schriften,die allwöchentlich unter dem Titel: »Imddrss xolidiguss« heraus-kommen. Die erste ist an den König gerichtet, die zweite an Guizvt,die dritte an den Herzog von NcmvnrS, die vierte an Thiers. Siezeugen sämtlich von vielem Geist. Es herrscht darin eine edle Ge-sinnung, ein lobenswerter Widerwille gegen barbarische Kriegsgelüstc,eine schwärmerische Begeisterung für den Frieden. Von der Aus-beutung der Industrie erwartet Duveyrier das goldene Zeitalter.Der Messias wird nicht ans einem Esel, sondern auf einem Dampf-wagen den segensreichen Einzug halten. Namentlich die Broschüre,die an Thiers gerichtet, oder vielmehr gegen ihn gerichtet, atmet diese Ge-sinnung. VonderPersönlichkeit des ehemaligen Conseilpräsidentensprichtder Verfasser mit hinlänglicher Ehrfurcht. Guizot gefällt ihm, aber Molsgefällt ihm besser. Dieser Hintergedanke dämmert überall durch.

Ob er mit Recht oder Unrecht irgend einem von den dreien denVorzug giebt, ist schwer zu bestimmen. Ich meineSteils glaube nicht,daß einer besser als der andere, und ich bin der Meinung, daß jedervon ihnen als Minister immer dasselbe thun wird, was auch unterdenselben Umständen der andere thätc. Der wahre Minister, dessenGedanke überall zur That wird, der sowohl gonvcrnicrt als regiert,ist der König, Ludwig Philipp, und die erwähnten drei Staats-männer unterscheiden sich nur in der Art und Weise, lote sie sich mitder Vorherrschaft des königlichen Gedankens abfinden.

Herr Thiers sträubt sich im Anfang sehr barsch, macht die red-seligste Opposition, trompetet und trommelt, und thut doch am Ende,was der König wollte. Nicht bloß seine revolutionären Gefühle,sondern auch seine staatsmännischen Überzeugungen sind im bestän-digen Widerspruch mit dem königlichen Systeme; er fühlt und weiß,daß dieses System auf die Länge scheitern muß, und ich könnte dieerstaunlichsten Äußerungen Thiers' über die Unhaltbarkcit der jetzigenZustände mitteilen. Er kennt zu gut seine Franzosen und zu gutdie Geschichte der französischen Revolution, um sich dem Quictismnsder siegreichen Bvnrgeoisiepartei ganz hingeben zu können und anden Maulkorb zu glauben, den er selbst dem tansendköpfigen Un-geheuer angelegt hat; sein seines Ohr hört das innerliche Knurren,er hat sogar Furcht, einst von dem cntzügelten Ungetüm zerrissen zuwerden — und dennoch thut er, was der König will.