32 Französische Zustände. II.
reiße, eine Legion von kleinen, aber sehr gefährlichen Scheusalenzum Vorschein käme, die sich über die Faubourgs Saint Antonie undSaint Marcean verbreiten würden. Alle Unterröcke zitterten bei deinGedanken an solche Gefahr, und sogar die Männer ergriff eine un-heimliche Furcht vor der Invasion jener langgeschwttnzten Gäste. Eswurden dem Magistrate die nntcrthänigsteu Vorstellungen gemacht,und infolge derselben vertagte man das Niederreißen des großenGipselefanten, der seitdem jahrelang auf dem Bastillenplatze stehenblieb. Sonderbares Land! Ivo trotz der allgemeinen Zcrstörungssuchtsich dennoch manche Dinge erhalten, da man allgemein die schlimmerenDinge fürchtet, die an ihre Stelle treten könnten! Wie gern würdensie den Ludwig Philipp niederreißen, diesen großen klugen Elefanten,aber sie fürchten Seine Majestät den souveränen Rattenkönig, dastausendköpfige Ungetüm, das alsdann zur Regierung käme, und selbstdie adligen und geistlichen Feinde der Bourgeoisie, die nicht ebenmit Blindheit geschlagen sind, suchen aus diesem Grunde den Julius-thrvn zu erhalten; nur die ganz Beschränkten, die Spieler und Falsch-spieler unter den Aristokraten und Klerikalen, sind Pessimisten undspekulieren auf die Republik oder vielmehr ans das ChaoS, das un-mittelbar nach der Republik eintreten dürfte.
Die Bourgeoisie selbst ist ebenfalls vom Dämon des Zerstören?besessen, und wenn sie auch die Republik nicht eben fürchtet, so hatsie doch eine instinktmäßige Angst vor dem Kommunismus, vor jenendüsteren Gesellen, die wie Ratten aus den Trümmern des jetzigenRegiments hervorstürzen würden. Ja, vor einer Republik von derfrüheren Sorte, selbst vor ein bißchen RobcSpierrismus, hätte diefranzösische Bourgeoisie keine Furcht, und sie würde sich leicht mitdieser Regiernngsform aussöhnen und ruhig auf die Wache ziehenund die Tuilericn beschützen, gleichviel, ob hier ein Ludwig Philippoder ein (konnte ein salut public residiert; denn die Bourgeoisie willvor allem Ordnung und Schutz der bestehenden Eigentumsrechte, —Begehrnisse, die eine Republik ebensogut wie das Königtum gewährenkann. Aber diese Boutiqniers ahnen, wie gesagt, inslinktmäßig, daßdie Republik heutzutage nicht mehr die Prinzipien der neunzigerJahre vertreten möchte, sondern nur die Form wäre, worin sich eineneue, unerhörte Proletaricrherrschaft mit allen Glaubenssätzen derGütergemeinschaft geltend machen würde. Sic sind Konservativedurch äußere Notwendigkeit, nicht durch inneren Trieb, und dieFurcht ist hier die Stütze aller Dinge.
Wird diese Furcht noch auf lauge Zeit vorhalten? Wird nichteines frühen Morgens der nationale Leichtsinn die Köpfe ergreifenund selbst die Angstlichen in den Strudel der Revolution fortreißen?Ich weiß es nicht, aber es ist möglich, und die Wahlresultatc zuParis sind sogar ein Merkmal, daß es wahrscheinlich ist. Die Franzosen