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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Dir pariamcntarische Periode des Bürgerkönigtums. 18

Nur Thiers hat das Zeug dazu, die große Htstoire des NapoleonBonapartc zu schreiben, und er wird sie besser schreiben als diejenigen,die sich dazu besonders berufen glauben, weil sie treue Gefährten desKaisers waren und sogar beständig mit seiner Person in Berührungstanden. Die persönlichen Bekannten eines großen Helden, seine Mit-kämpfer, seine Lcibdiener, seine Kämmerer, Sekretäre, Adjutanten,vielleicht seine Zeitgenossen überhaupt, sind am wenigsten geeignet,seine Geschichte zu schreiben; sie kommen mir manchmal vor, wie daskleine Insekt, das auf dem Kopf eines Menschen herumkriecht, ganzeigentlich in der unmittelbarsten Nähe seiner Gedanken verweilt, ihnüberall begleitet, und doch nie von seinem wahren Leben und derBedeutung seiner Handlungen das mindeste ahnt.

Ich kann nicht umhin, bei dieser Gelegenheit auf einen Kupfer-stich aufmerksam zu machen, der in diesem Äugenblick bei allen Kunst-händlern ausgehängt ist und den Kaiser darstellt nach einem Gemäldevon Delarochc, welches derselbe für Lady Sandwich gemalt hat. DerMaler verfuhr bei diesem Bilde swie in allen seinen Werken) alsEklektiker, und zur Anfertigung desselben benutzte er zunächst mehrereunbekannte Porträte, die sich im Besitz der Bvnapartcschcn Familiebefinden, sodann die Maske des Toten, ferner die Details, die ihmüber die Eigentümlichkeiten des kaiserlichen Gesichts von einigenDamen mitgeteilt worden, und endlich seine eigenen Erinnerungen,da er in seiner Jugend mehrmals den Kaiser gesehen. Mein Urteilüber dieses Bild kann ich hier nicht mitteilen, da ich zugleich überdie Art und Weise des Delarvche ausführlich reden müßte. DieHauptsache habe ich bereits angedeutet: das eklektische Verfahren,welches eine gewisse äußere Wahrheit befördert, aber keinen tieferenGrundgedanken aufkommen läßt. Dieses neue Porträt des Kaisersist bei Gonpil und Nittner erschienen*), die fast alle bekannten Werkedes Dclaroche in Kupferstich herausgegeben. Sic gaben uns jüngstseinen Karl I., welcher im Kerker von den Soldaten und Schergenverhöhnt wird, und als Seitenstück erhielten wir im selben Formatden Grafen Strafford, welcher, zur Richtstätte geführt, an dem Ge-fängnisse vorbeikommt, wo der Bischof Land gefangen sitzt und demvorüberziehenden Grafen seinen Segen erteilt: wir sehen nur seine,aus einem Gitterfenster hervorgestrecktcn zwei Hände, die wie hölzerneWegweiser aussehen, recht prosaisch abgeschmackt. In derselben Kunst-handlung erschien auch des Dclaroche großes Kabinettstück: der ster-bende Richelieu, welcher mit seinen beiden Schlachtopfcrn, den zumTode verurteilten Rittern Saint-Mars und de Thon, in einem Boote

*>und ist vortrefflich gestochen von einem jungen Kupferstecher, der dabeidas größte Talent on den Tag legte. Er seist, wenn ich nicht irre, Nristide Louisund ist ein Schüler von Dnpont." schließt dieser Brief in der AngSbnrger All-gemeinen Zeitung. Der Herausgeber.