Das Biirgcrkönigwm im Jahre 1S32. 253
entsetzlicher am Ende zum Ausbruch kommt. Die Dardanellenfrageist nur ein Symptom der orientalischen Frage selbst, der türkischenErbschaftsfrage, des Grundübels, woran wir siechen, des Krankheits-stoffs, der im europäischen Staatskörper gährt, und der leider nurgewaltsam ausgeschieden, vielleicht nur mit dem Schwert ausgcschnitten werden kann. Wenn sie auch von ganz andern Dingensprechen, so schielen doch alle Machthaber nach den Dardanellen, nachder hohen Pforte, nach dem alten Byzanz, nach Stainbnl, nachKvnstantinopel — das Gcbreste hat viel Namen, Wäre im euro-päischen Staatsrechte das Prinzip der Bolkssouveränität sanktioniert,so könnte das Zusammenbrechen des osmanischen Kaisertums nichtfür die übrige Welt so gefährlich sein, da alsdann in dem aufgelöstenReiche die einzelnen Völker sich bald ihre besonderen Regenten selbsterwählen und sich so gut als möglich fortregieren lassen würden.Aber im allergrößten Teil Europas herrscht noch das Dogma deSAbsolutismus, wonach Land und Leute das Eigentum des Fürstensind, und dieses Eigentum durch das Recht des Stärkeren, durch dieultima, ratio rsgis, das Kanonenrecht, erwcrbbar ist, — Was Wunder,daß keiner der hohen Potentaten den Russen die große Erbschaftgönnen wird, und jeder ein Stück von dem morgenländischen Kuchenhaben will; jeder wird Appetit bekommen, wenn er sieht, wie dieBarbaren des Nordens sich gütlich thun, und der kleinste deutscheDuodezfürst wird wenigstens auf ein Biergeld Anspruch machen.Das sind die menschlichen Antriebe, weshalb der Untergang der Türkeifür die Welt verderblich werden muß. Die politischen Beweggründe,warum hauptsächlich England, Frankreich und Österreich nicht er-lauben können, daß Rußland sich in Kvnstantinopel festsetze, sindjedem Schulknaben einleuchtend.
Der Ausbruch eines Krieges, der in der Natur der Dinge liegt,ist aber vor der Hand vertagt. Kurzsichtige Politiker, die nur zuPalliativen ihre Zuflucht nehmen, sind beruhigt und hoffen unge-trübte Fricdenstage, Besonders unsere Financiers sehen wieder allesim lieblichsten Hoffnnngslichte, Auch der größte derselben scheint sichsolcher Täuschung hinzugeben, aber nicht zu jeder Stunde, Herr vonRothschild, welcher seit einiger Zeit etwas unpäßlich schien, ist jetztwieder ganz hergestellt und sieht gesund und wohl auS, Die Zeichen-dcnter der Börse, welche sich ans die Physiognomie des großen Baronsso gut verstehen, versichern uns, daß die Schwalben des Friedens inseinem Lächeln nisten, daß jede Kriegsbcsorgnis ans seinem Gesichteverschwunden, daß in seinen Augen keine elektrischen Gewitterfünkchcnsichtbar seien, und daß also das entsetzliche Kanvnendonnerwetter,das die ganze Welt bedrohte, sich gänzlich verzogen habe. Er niesesogar den Frieden, Es ist wahr, als ich das letzte Mal die Ehrehatte, Herrn von Rothschild meine Aufwartung zu machen, strahlte