Druckschrift 
9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

'HW-WWW

Borrede. g

Vorrede.

Diejenigen, welche lesen können, werden in diesem Buche vonselbst merken, daß die größten Gebrechen desselben nicht meiner Schuldbeigemessen werden dürfen, und diejenigen, welche nicht lesen können,werden gar nichts merken." Mit diesen einfachen Vernunftschlüssen,die der alte Scarrvn seinein komischen Romane voransetzt, kann ichauch diese ernsteren Blatter beVorworten.

Ich gebe hier eine Reihe Artikel und Tagesberichte, die ich nachdem Begehr des Augenblicks, in stürmischen Verhältnissen aller Art,zu leicht erratbaren Zwecken, unter noch leichter erratbaren Beschrän-kungen, für die Augsbnrgcr Allgemeine Zeitung geschrieben habe.Diese anonymen, flüchtigen Blätter soll ich nun unter meinem Namenals festes Buch herausgeben, damit kein anderer, wie ich bedrohtworden bin, sie nach eigener Laune zusammenstellt und nach Willkürumgestaltet, oder gar jene fremden Erzengnisse hineinmischt, die manmir irrtümlich zuschreibt.

Ich benutze diese Gelegenheit, um aufs bestimmteste zu erklären,daß ich seit zwei Jahren in keinem politischen Journal Deutschlands,außer der Allgemeinen Zeitung, eine Zeile drucken lassen. Letztere,die ihre weltberühmte Autorität so sehr verdient, und die man wohldie Allgemeine Zeitung von Europa nennen dürfte, schien mir ebenwegen ihres Ansehens und ihres unerhört großen Absatzes das ge-eignete Blatt für Berichterstattungen, die nur das Verständnis derGegenwart beabsichtigen. Wenn wir es dahin bringen, daß die großeMenge die Gegenwart versteht, so lassen die Völker sich nicht mehrvon den Lohnschreibcrn der Aristokratie zu Haß und Krieg verhetzen,das große Völkerbündnis, die heilige Alliance der Nationen, kommtzustande, wir brauchen aus wechselseitigem Mißtrauen keine stehen-den Heere von vielen Hunderttausend Mördern mehr zu füttern, wirbenutzen zum Pflng ihre Schwerter und Rosse, und wir erlangenFriede und Wohlstand und Freiheit. Dieser Wirksamkeit bleibt meinLeben gewidmet; es ist mein Amt. Der Haß meiner Feinde darfals Bürgschaft gelten, daß ich dieses Amt bisher recht treu und ehrlichverwaltet. Ich werde mich jenes Hasses immer würdig zeigen. MeineFeinde werden mich nie verkennen, wenn auch die Freunde, imTaumel der aufgeregten Leidenschaften, meine besonnene Ruhe fürLauheit halten möchten. Jetzt freilich, in dieser Zeit, werden siemich weniger verkennen, als damals, Ivo sie am Ziel ihrer Wünschezn stehen glaubten, und Siegeshoffnung alle Segel ihrer Gedankenschwellte; an ihrer Thorheit nahm ich keinen Teil, aber ich werde