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9 (1898) Französische Zustände : 1
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282 Französische Zustände. I.

scheint aber nichts gethan zn haben, nm den getrcnesten Alliiertenzu retten.

Die amerikanischen Händel sind es aber nicht allein, was dieEngländer antreibt, die ägyptische Erblichkcitssrage sobald als mög-lich abzufertigen und somit die französische Diplomatie wieder in denStand zn setzen, an den Beratungen und Beschlüssen der europäischenGroßmächte teilzunehmen. Die Dardanellcnfrage steht drohendvor der Thür, verlangt schnelle Entscheidung, und hier rechnen dieEngländer auf die kvnserentielle Stütze des französischen Kabinetts,dessen Interessen bei dieser Gelegenheit mit ihren eigenen überein-stimmen, Rußland gegenüber.*)

Ja die sogenannte Dardanellenfrage ist von der höchsten Wichtig-keit, und nicht bloß für die erwähnten Großmächte, sondern für unsalle, für den Kleinsten wie für den Größten, für Reuß-Schleiz-Greizund Hinterpommern ebensogut wie für das allmächtige Österreich,für den geringsten Schnhflicker wie für den reichsten Lederfabrikanten;denn das Schicksal der Welt selbst steht hier in Frage, und dieseFrage muß an den Dardanellen gelöst werden, gleichviel in welcherWeise. Solange dieses nicht geschehen, kränkelt Europa an einemheimlichen Übel, das ihm keine Ruhe läßt, und das, je später, desto

ihm die volle Erblichkeit'seines Paschaliks answirlt und sichert. Aber auch imFalle diese Erblichkeit für Mehcmed Ali eine Wahrheit wird, ist seine Macht ganzzu Grunde gerichtet, und er wird nimmermehr der Macht des Sultans das Gleich-gewicht halten können, wie früher, wo vielleicht eben durch das Gleichgewicht derbeiden Gegner die Ruhe der türkische» Provinzen erhalten wurde. Die Statthalterderselben verharrten bei dem schwachen Grobherrn, weil sie sich vor den über-mächtigen Vasallen fürchteten; oder auch sie warteten ans den Ausgang des grobenZweikampfs, unentschlossen zum Abfall wie zum übertritt, im Zaum gehaltendurch den Respekt, womit sie schon dem einstigen Sieger huldigten. Die Gegen-wart gehorchte gewissermaßen einer Autorität der Zukunft. Jcht ist auch diesesBindungsmittcl zerstört, jeder Weib, dab der Pascha nimmermehr zur AlleinHerrschast gelangt, jeder Weib auch, dab die gepriesene Oberhoheit des Sultansnur eine glänzende Schcinmacht ist, eine morgenländische Ferman-Hyperbcl, eineoecidentalischc Protokolltänschung, und Stück vor Stück wird jeht das ganze Türken-reich anseinanderfallcn, wie einst das ältere Kalifat.

„Wird aber unter diesen Umständen die Ruhe im Orient dergestalt begründetwerden können, dab die Konflikte nicht bis zu uns fortwirken? Ich fürchte, dievielbelobte Pacifikation, wodurch der Pascha geschwächt und der Sultan nicht ge-stärkt worden, gicbt eben das Signal zu der allgemeinen Auflösung des osmanischcnReiches und zu dem Beginn des groben Erbfolgcstreits!" — Der Herausgeber.

»> Der nachfolgende Teil dieses Brieses fehlt in der Angsburgcr AllgemeinenZeitung. Dagegen enthält letztere noch die Stelle; „Welcher Allsgang steht von demZwist mit Amerika zn erwarten? In keinem Fall ein brillanter. Selbst wennin der Person des Ate Leod das ganze englische Volt gleichsam in akügis gehenktwürde, dürfte sich John Bull doch noch lange besinnen, che er eine ernste Boxercimit Jonathan, begänne. Er ist vor allen Dingen ein berechnender Geschäftsmann,und eine Ehrensache lockt ihn nicht unwiderstehlich, wenn dabei materiell mehr znverlieren als zu gewinnen ist, wie hier der Fall. Obgleich wir beide Völker desEgoismus nicht sonderlich lieben, so wollen wir doch nicht wünschen, daß eszwischen ihnen zum Kriege komme — der Krieg ist eine ansteckende Krankheit."

Der Herausgeber.