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9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
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Das Biirgerkönigluin im Jahre 1832. 181

erinnern und gar ernsthafte Gesichter zu schneiden, Gesichter deSdüstersten Grimms und der verzweifelnden Todesqual! Unterdessenfvltert der Henker, und auf der Marterbank gesteht der Jude, daßer bei dem herannahenden Passahfeste etwas Christenblnt brauchtezum Eintunken für seine trockenen Osterbröte, und daß er zu diesemBehnfc einen alten Kapuziner abgeschlachtet habe! Der Türke istdumm und schnöde, und stellt gern seine Bastonnadcn- und Tvrtur-apparatc zur Verfügung der Christen gegen die angeklagten Juden;denn beide Sekten sind ihm verhaßt, er betrachtet sie beide wie Hunde,er nennt sie auch mit diesem Ehrennamen, und er freut sich gewiß,wenn der christliche Giaur ihm Gelegenheit giebt, mit einigem An-schein von Recht den jüdischen Giaur zu mißhandeln. Wartet nur,wenn es mal des Paschas Vorteil sein wird und er nicht mehr denbewaffneten Einfluß der Europäer zu fürchten braucht, wird er auchdem beschnittenen Hunde Gehör schenken, und dieser wird unserechristlichen Brüder anklagen, Gott weiß wessen! Heute Amboß,morgen Hammer! —

Aber für den Freund der Menschheit wird dergleichen immerein Herzeleid sein. Erscheinungen dieser Art sind ein Unglück, dessenFolgen unberechenbar. Der Fanatismus ist ein ansteckendes Übel,das sich unter den verschiedensten Formen verbreitet, und am Endegegen uns alle wütet. Der französische Konsul in Damaskus, der GrafRatti-Menton, hat sich Dinge zu schulden kommen lassen, die hiereinen allgemeinen Schrei des Entsetzens erregten. Er ist es, welcherden occidentalischcn Aberglauben dem Orient einimpfte, und unterdem Pöbel von Damaskus eine Schrift austeilte, worin die Judenbes ChristenmordeS bezichtet werden. Diese haßschnaufende Schrift,die der Graf Mcntvn von seinen geistlichen Freunden zum BeHufeder Verbreitung empfangen hatte, ist ursprünglich der Uibliotbsea,prcnnxta, u Imaio ?srrarro entlehnt, und es wird darin ganz be-stimmt behauptet, daß die Juden zur Feier ihres Passahfcstes desBlutes der Christen bedürften. Der edle Graf hütete sich, die damitverbundene Sage des Mittelalters zu wiederholen, daß nämlich dieJuden zu demselben Zwecke auch konsekrierte Hostien stehlen und mitNadeln so lange stechen, bis das Blut herausflicße — eine linthat,die im Mittelalter nicht bloß durch beeidigte Zeugenaussagen, sondernauch dadurch ans Tageslicht gekommen, daß über dem Judcnhause,worin eine jener gestohlenen Hostien gekreuzigt worden, sich ein lichterSchein verbreitete. Nein, die Ungläubigen, die Mohammedanerhätten dergleichen nimmermehr geglaubt, und der Graf Menton mußteim Interesse seiner Sendung zu weniger miraknlösen Historien seineZuflucht nehmen. Ich sage: im Interesse seiner Sendung, und über-lasse diese Worte dem weitesten Nachdenken. Der Herr Graf ist erstseit kurzer Zeit in Damaskus; vor sechs Monaten sah man ihn hier