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9 (1898) Französische Zustände : 1
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180 Französische Zustande. 7.

Die Drachenzähne, welche van Republikanern und Legitimistcngesäet werden, kennen wir jetzt, und es wird uns nicht überraschen,wenn sie einst als geHarnische Kämpen ans dem Bvden hervorstürmenund sich untereinander würgen, oder auch' miteinander fraternisieren.Ja, letzteres ist möglich; giebt es doch hier einen entsetzlichen Priester,der durch seine blutdürstigen Glaubensworte die Männer des Scheiter-haufens mit den Männern der Guillotine zu verbinden hofft.

Unterdessen sind alle Augen auf daS Schauspiel gerichtet, dasauf Frankreichs Oberfläche durch mehr oder minder oberflächlicheAktcure tragiert wird. Ich spreche von der Kammer und dem Mini-sterium. Die Stimmung der erstcren, sowie die Erhaltung des letzte-ren, ist gewiß von der größten Wichtigkeit; denn der Hader in derKammer könnte eine Katastrophe beschleunige», die bald näher, baldferner zu treten scheint. Einem solchen Ausbruch so lange als möglichvorzubeugen, ist die Aufgabe unserer jetzigen Staatslcnkcr. Daß sienichts anderes wollen, nichts anderes hoffen, daß sie die endliche„Götterdämmerung" voraussehen, verrät sich in allen ihren Hand-lungen, in allen ihren Worten. Mit fast naiver Ehrlichkeit gestandThiers in einer seiner letzten Reden, wie wenig er der nächsten Zu-kunft traue, und wie nian von Tag zu Tag sich hinfristen müsse;er hat ein feines Ohr, und hört schon das Geheul des Wolfes Fenris,der das Reich der Hela verkündigt. Wird ihn die Verzweiflung überdaS Unabwendbare.nicht mal plötzlich zu einer allzu heftigen Hand-lung hinreißen? Seine Gegner flüstern sich dergleichen ins Ohr.Hingegen seine Freunde bemerken an ihm eine täglich zunehmendeMilde. Der Mann lebt im Gefühl seiner ernsthaften Pflichten, seinerVerantwortlichkeit gegen Mitwelt und Nachwelt, und er wird demTumult der Tagesleidenschaften immer die kluge Ruhe des Staats-mannes entgegensetzen.

V.

Paris, den 7. Mai 18-iv.

Die heutigen Pariser Blätter bringen einen Bericht des k. k. öster-reichischen Konsuls zu Damaskus an den k. k. österreichischen General-konsul in Alexandria, in Bezug der Damascener Juden, deren Mar-tyrium an die dunkelsten Zeiten des Mittelalters erinnert. Währendwir in Europa die Märchen desselben als poetischen Stoff bearbeitenund uns an jenen schauerlich naiveu Sagen ergötzen, womit unsereVorfahren sich nicht wenig ängstigten; während bei uns nur noch inGedichten und Romanen von jenen Hexen, Wehrwölfen und Judendie Rede ist, die zu ihrem Satansdienst das Blut frommer Christen-kinder nötig haben; während wir lachen und vergessen, fängt manan im Morgenlande sich sehr betrübsain des alten Aberglauben- zu