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9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
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Das Biirgerkönigtum im Jahre 1832. 179

Republikaner zu sein! Er gleicht dann jenem österreichischen Sol-daten, welcher ausrief: „Herr Korporal, ich habe einen Gefangenengemacht!" aber, als der Korporal ihn seinen Gefangenen herbeiführenhieß, die Antwort gab: „Ich kann nicht, denn er läßt mich nicht los."

Wie die Sympathie, die der Republikanismus erregt, dennochdurch die Geldinteressen beständig niedergehalten wird, bemerkte ichdieser Tage im Gespräche mit einem sehr aufgeklärten Bankier, derim größten Eifer zu mir sagte: „Wer bestreitet denn die Vorzügeder republikanischen Verfassung? Ich selber bin manchmal ganzRepublikaner. Sehen Sie, stecke ich die Hand in die rechte Hosen-tasche, worin mein Geld ist, so macht die Berührung mit dem kaltenMetall mich zittern, ich fürchte für mein Eigentum, und ich fühlemich monarchisch gesinnt; stecke ich hingegen die Hand in die linkeHosentasche, welche leer ist, dann schwindet gleich alle Furcht, undich pfeife lustig die Marseillaise und ich stimme für die Republik!" —Der aufgeklärte Bankier, der mir dieses sagte, ist weder der großeBaron von Rotschild, noch der kleine Herr Königswarter; kaum be-dürfte es noch dieser besonderen Bemerkung, da ersterer, wie jederweiß, so viel Geld hat, daß seine beiden Taschen davon voll sind,während der andere zu wenig Geist hat, als daß er irgend zu erklärenwüßte, warum er zwanzigmal des Tags abwechselnd Royalist undRepublikaner ist.

Wie die Republikaner, sind auch die Legitimisten beschäftigt, diejetzige Friedenszeit zur Aussaat zu benutzen, und besonders in denstillen Boden der Provinz streuen sie den Samen, woraus ihr Heilerblühen soll. Das meiste erwarten sie von der Propaganda, diedurch Erziehungsanstalten und Bearbeitung des Landvolks die Auto-rität der Kirche wieder herzustellen trachtet. Mit dem Glauben derVäter sollen auch die Rechte der Väter wieder zu Ansehen kommen.Man sieht daher Frauen von der adligsten Geburt, die gleichsam alsUacliss pubi-ons-isso der Religion ihre devoten Gesinnungen zurSchau tragen, überall Seelen für den Himmel anwerben, und durchihr elegantes Beispiel die ganze vornehme Welt in die Kirchen locken.Auch waren die Kirchen nie voller als letzte Ostern. Besonders nachSaiut-Roche und Nvtre Dame de Lvrettc drängte sich die geputzteAndacht; hier glänzten die schwärmerisch schönsten Toiletten, hierreichte der fromme Dandy das Weihwasser mit weißen Glacehand-schuhen, hier beteten die Grazien. Wird dies lange währen? Wirddiese Religiosität, wenn sie die Vogue der Mode gewinnt, nicht auchdem schnellen Wechsel der Mode unterworfen sein? Ist diese Röteein Zeichen der Gesundheit? . . . Der liebe Gott hat heute vieleBesuche, sagte ich vorigen Sonntag zu einem Freunde, als ich denZndrang nach den Kirchen bemerkte. „Es sind Abschicdsvisiten" —erwiderte der Ungläubige.

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