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Französische Zustände. I,
„Bautrin" von Balzac, unumwunden erklärt, daß die Theatercensnrnotwendig sei. Empört durch solchen grenelhaften Ausspruch, solcheantijakvbinische Ketzerei, haben sich Felix Pyat und Auguste Luchetvon der Redaktion der „ksvus äu prvArss" losgesagt. Beide sindnicht bloß Männer von ehrenvollem Charakter, sondern auch Schrift-steller von großem Talent; vor einigen Jahren schrieben sie gemein-sam ein Drama, welches von der Theatercensnr unterdrückt wurde.
Während die Friedenszeit, deren wir jetzt genießen, sehr günstigist für die Verbreitung der republikanischen Lehren, löst sie unter denRepublikanern selbst alle Bande der Einigkeit; der argwöhnische Geistdieser Leute muß durch die That beschäftigt werden, sonst gerät erin spitzfindige Diskussionen und Zwistreden, die in bittere Feind-schaften ausarten. Sie haben wenig Liebe für ihre Freunde undsehr viel Haß für diejenigen, die durch Gewalt des fortschreitendenNachdenkens sich einer entgegengesetzten Ansicht zuneigen. Mit einerBeschuldigung des Ehrgeizes, wo nicht gar der Bestechlichkeit, sind siealsdann sehr freigebig. In ihrer Beschränktheit Pflegen sie nie zubegreifen, daß ihre früheren Bundesgenossen manchmal durch Mei-nungsverschiedenheit gezwungen werden, sich von ihnen zu entfernen.Unfähig, die rationellen Gründe solcher Entfernung zu ahnen, schreiensie gleich über pekuniäre Motive. Dieses Geschrei ist charakteristisch.Die Republikaner haben sich mm einmal mit dem Gelde aufs feind-seligste überwarfen; alles, was ihnen Schlimmes begegnet, wird demEinfluß des Geldes zugeschrieben; und in der That, das Geld dientihren Gegnern als Barrikade, als Schutz und Wehr, ja das Geld istvielleicht ihr eigentlicher Gegner, der heutige Pitt, der heutige Koburg,und sie schimpfen darauf in altsansculottischer Weise. Im Grundeleitet sie ein richtiger Instinkt. Von jener neuen Doktrin, die allesocialen Fragen von einem höheren Gesichtspunkte betrachtet undvon dem banalen Republikanismus sich ebenso glänzend unterscheidet,wie ein kaiserliches Purpnrgewand von einem grauen Gleichheilskittel,davon haben unsere Republikaner wenig zu fürchten; denn wie sieselber, ist auch die große Menge noch entfernt von jener Doktrin.Die große Menge, der höhere und niedere PlebS, der edle Bürger-stand, der bürgerliche Adel, sämtliche Honoratioren der lieben Mittel-mäßigkeit, begreifen ganz gut den Republikanismus — eine Lehre,wozu nicht viele Vorkenntnisse gehören, die zugleich allen ihren Klein-gcfühlcn und Verflachungsgedanken zusagt, und die sie auch öffent-lich bekenne» würden, gerieten sie nicht dadurch in einen Konflikt ---mit dem Gelde. Jeder Thaler ist ein tapferer Bekämpfer des Nepn-blikanismus, und jeder Dukaten ein Achilles. Ein Republikaner haßtdaher das Geld mit großem Recht, und wird er dieses Feindes hab-haft, ach! so ist der Sieg noch schlimmer als eine Niederlage; derRepublikaner, der sich des Geldes bemächtigte, hat aufgehört, ein