Das Bürgerkönigtum im Jahre 1832. 173
gewiß nicht schvnen, Großmut ist nicht ihre Art. und die republi-kanische Tugend verschmäht nicht die Alliance mit der Lüge. Mvrgenschon werden die alten Verleumdungen aus den modrigsten Schlupf-winkeln ihre Schlangenköpfchen hcrvvrrccken und freundlich züngeln.Die armen Kollegen werden ebenfalls stark herhalten. „Ein Knrne-valsministerinm!" rief man schon gestern abend, als der Name desMinisters des Unterrichts genannt wurde. Das Wort hat dennocheine gewisse Wahrheit. Ohne die Besorgnis vor den drei Karncvals-tagcn hätte man sich mit der Bildung des Ministeriums vielleichtnicht so sehr beeilt. Aber heute ist schon Fnschingsvnntag, in diesemAugenblick wälzt sich bereits der Zug des bosuk Mms durch dieStraßen von Paris, und morgen und übermorgen sind die gefähr-lichsten Tage für die öffentliche Rühe. Das Volk überläßt sich dann einerwahnsinnigen, fast vcrzweiflungsvollen Lust, alle Tollheit ist grauen-haft entzügelt, und der Frcihcitsrausch trinkt dann leicht Brüderschaftmit der Trunkenheit des gewöhnlichen Weins. — Mummerei gegenMummerei, und das neue Ministerinin ist vielleicht eine Maske desKönigs für den Karneval.
III.
Paris, den 9. April 1840.
Nachdem die Leidenschaft sich etwas abgekühlt und denkendeBesonnenheit sich allmählich geltend macht, gesteht jeder, daß dieRuhe Frankreichs aufs gefährlichste bedroht ivar, wenn es den so-genannten Konservativen gelang, das jetzige Ministerium zu stürzen.Die Glieder desselben sind gewiß in diesem Augenblick die geeignetstenLenker des Staatswagcns. Der König und Thiers, der eine imInneren des Wagens, der andere auf dem Bocke, sie müssen jetzteinig bleiben, denn trotz der verschiedenen Situation sind sie den-selben Gefahren des Umsturzes ausgesetzt. Der König und Thiershegen durchaus keinen geheimen Hader, wie man allgemein glaubt.Persönlich hatten sich beide schon vor geraumer Zeit ausgesöhnt.Die Differenz bleibt nur eine politische. Bei aller jetzigen Einigkeit,bei dem besten Willen des Königs für die Erhaltung des Mini-steriums, kann doch in seinem Geiste jene Politische Differenz nieganz schwinden; denn der König ist ja der Repräsentant derKrone, deren Interessen und Rechte in beständigem Konflikt mit denusurpierenden Gelüsten der Kammer. In der That, wir müssen derWahrheit gemäß das ganze Streben der Kammer mit dem AusdruckUsnrpationslust bezeichnen; sie war auch immer der angreifendeTeil, sie suchte bei jeder Veranlassung die Rechte der Krone zuschmälern, die Interessen derselben zu untergraben, und der Königübte nur eine natürliche Notwehr. Z. B. die Charte verlieh dem