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9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
Seite
167
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Das Blirgerkönigtum im Jahre 1832. 167

womit er einen Menschen sucht. Sucht er ihn in Sandomir, oderin Sandomich, wo ihm der große Wind, der durch das Branden-burger Thor weht, die Laterne ausbläst? Oder trabt er jetzt aufdem hvckerichten Nucken eines Kamels durch die arabische Saudwüste,wo der langbeinige Hut-Hut, den die deutschen Dragomaneu denLegationssekretär von Wiedehopf nennen, an ihm vorüberläuft, umseiner Gebieterin, der Königin von Saba, die Ankunft des hohenGastes zu verkünden? denn die alte fabelhafte Person erwartetden weltberühmten Touristen auf einer schönen Oase in Äthiopien,wo sie mit ihm unter wehenden Fächerpalmen und plätscherndenSpringbrunnen frühstücken und kokettieren will, wie einst auch dieverstorbene Lady Esther Stanhope gethan, die ebenfalls viele klugeRätsclsprüche wußte Apropos, aus den Memoiren, welche einEngländer nach dem Tode dieser berühmten Sultanin der Wüste her-ausgegeben, habe ich nicht ohne Verwunderung gelesen, daß die hoheDame, als Eure Durchlaucht sie auf dem Libanon besuchten, auchvon mir sprach, und der Meinung gewesen, ich sei der Stifter einerneuen Religion. Du lieber Himmel! ich der Stifter einer neuenReligion! ich, dem die vorhandenen Religionen immer genug, mehrals genug gewesen! Da sehe ich, wie schlecht man in Asien übermich unierrichtet ist!

Ja, wo ist jetzt der wandersüchtige Überall-und-Nirgends? Kor-respondenten einer mongolischen Zeitung behaupten, er sei auf demWege nach China, um die Chinesen zu sehen, ehe es zu spät ist unddieses Volk von Porzellan in den plumpen Händen der rothaarigenBarbaren ganz zerbricht^) ach! seinem armen wackelköpfigen

*) Der Schluß dieses Zueignungsbriefes lautet iu der französischen Ausgabewie folgt:Ja, das himmlische Reich zerfällt in Trümmer, und seine silbernenGlöcklein, die so lustig klingelten, ertönen heut wie ein Totengeläute. Bald wirdes keine Chinesen und chinesischen Kunstspielereieu mehr geben als auf unserenTheetassen, Ofenschirmen, Fächern und Nippsgestelten - die langzöpfigen Manda-rinen, die unsere Kamingesimsezierten und so vergnüglich ihren dicken Bauch wiegten,wobei sie manchmal ein spitzigrotes Zünglein aus dem lachenden Munde hervor-bleckten, diese armen Porzellanfiguren scheinen das Unglück ihres Vaterlandes zukennen, sie sehen trübsinnig aus, als wollte ihr Herz vor Kummer zerbrechen.Diese Todesangst des Porzellans ist etwas Erschreckliches. Aber es sind nicht dieWackelfiguren von China allein, welche aussterben. Die ganze alte Welt liegt imVerenden, und hat Eile, sich begraben zu lassen. Die Könige scheiden, die Götterscheiden, und, ach! auch die wackelnden Porzellanmännchen scheiden dahin!

Indem ich ernstlich über die Mittel und Wege nachsinne, mein Fürst, diesBuch in Ihre Hände zu befördern, kommt mir der Gedanke, es xosts rsstamtsnach Tombuktu zu adressieren. Man hat mir gesagt, daß Sie sich oft nach dieserStadt begeben, die eine Art schwarzes Berlin'sein muß; da sie noch nicht ganzentdeckt ist, begreife ich sehr wohl, daß sie Ihnen alle Annehmlichkeiten eines voll-ständigen Inkognitos gewährt, und daß Sie sich dort nach Belieben die Langeweilevertreiben können, wenn Sie jenes Weißen Tombuktus müde sind, das sichBerlin nennt.

Aber, mögen Sie im Morgenland oder im Abendland, an den Ufern desSenegals oder der Spree, iu Peking oder in der Lausitz sein, gleichviel! wo Sie