Das Biirgerkönigtum im Jahre 1832. 165
Beine, und dieses Verdienst wird ihm die deutsche Geschichte hoch an-rechnen. Auch der Erisapfel der orientalischen Frage kommt unterjenem Ministerium bereits zum Vorschein, und wir sehen im grellstenLichte den Egoismus jener britischen Oligarchie, die uns damals gegendie Franzosen verhehle. Ihre Agenten schlichen sich ein in die deutschePresse, um die politische Unerfahrenheit meiner Landsleute auszu-beuten, die sich alles Ernstes einbildeten, die Franzosen trachtetennicht allein nach den Kronen der deutschen Duodezfürsten, sondernauch nach den Erdäpfeln ihrer llnterthancn, und es gelüste sie nachdem Besitz der Rheinprovinzen, um unseren lieben guten Rheinweinzu trinken. O, nicht doch! Die Franzosen werden uns gern unsereErdäpfel lassen, sie, welche die Trüffeln von Perigvrd besitzen, undsie können wohl unseres Rheinweines entbehren, da sie den Cham-pagner haben. Frankreich braucht uns um nichts zu beneiden, unddie kriegerischen Gelüste, von denen wir uns bedroht glaubten, warenErfindungen von englischer Fabrik. Daß das aufrichtige und groß-mütige, bis zur Fanfaronade großmütige Frankreich unser natür-licher und wahrhaft sicherster Alliierter ist, war die Überzeugungmeines ganzen Lebens, und das Patriotische Bedürfnis, meine ver-blendeten Landsleute über den treulosen Blödsinn der Franzosenfresserund Nheinliedbarden aufzuklären, hat vielleicht meinen Berichten überdas Ministerium Thiers manchmal, namentlich in Bezug auf dieEngländer, ein allzu leidenschaftliches Kolorit erteilt; aber die Zeitwar eine höchst gefährliche, und Schweigen war ein halber Verrat.Meine Animosität gegen das „perfide Albion", wie man sich ehemalsausdrückte, existiert nicht mehr heut, wo sich so vieles verändert hat.Ich bin nichts weniger als ein Feind jenes großen englischen Volkes,das seitdem meine herzlichsten Sympathien, wenn auch nicht meinVertrauen, zu gewinnen gewußt. Aber so sehr die Engländer alsIndividuen zuverlässige Freunde sind, so sehr muß man ihnen alsNation, oder, besser gesagt, als Regierung mißtrauen. Ich will hiergerne eine „Apologie" im englischen Sinne des Wortes vorbringenund, sozusagen, Abbitte thun für alle herben Ausfälle, mit denen ichdas englische Volk regaliert habe, als ich diese Berichte schrieb; aberich wage sie heute nicht zu unterdrücken, denn die leidenschaftlichenStellen, welche ich in ihrem ursprünglichen Ungestüm wieder zumAbdruck bringe, dienen dazu, vor den Augen des Lesers die Leiden-schaften heraufzubeschwören, von denen er sich nach den großen Um-wälzungen, die selbst bis auf unsere Erinnerung erstickt und erloschensind, keine Vorstellung zu machen wüßte.
Bis zur Katastrophe vom 24. Februar gehen nicht meine PariserBerichte, aber man sieht schon aus jeder Seite ihre Notwendigkeit,und sie wird beständig vorausgesagt mit jenem prophetischen Schmerz,den wir in dem alten Heldenlieds finden, wo Trojas Brand nicht