154 Französische Zustände. I.
wir auch, wie die einzige Frucht solcher Ehe nicht lange zu lebenvermochte und kläglich dabinstarb.
In betreff der Erbschaft des Verstorbenen sind die Meinungensehr geteilt. Die Freunde von Ludwig Philipp glauben, daß jetztdie verwaisten Bvnapartisten sich ihnen anschließen werden; dochzweifle ich, ob die Männer des Krieges und des Ruhmes so schnellins friedliche Juste-Milien übergehen können. Die Karlisten glauben,daß die Bvnapartisten jetzt dem alleinigen Prätendenten, Heinrich V.,huldigen werden; ich weiß wahrlich nicht, ob ich in den Hoffnungendieser Menschen mehr ihre Thorheit oder ihre Insolenz bewundernsoll. Die Republikaner scheinen noch am meisten imstande zu sein,die Bvnapartisten an sich zu ziehen; aber wenn es einst leicht war,aus den ungekämmtesten Sansculotten die brillantesten Imperialistenzu machen, so mag es jetzt schwer sein, die entgegengesetzte Umwand-lung zu bewerkstelligen.
Man bedauert, daß die teueren Reliquien, wie das Schwert desKaisers, der Mantel von Marengo, der welthistorische dreieckige Hutu. dergl. m., welche gemäß dem Testamente von St. Helena dem jungenReichstädt überliefert worden, nicht Frankreich anheimfallen. Jededer französischen Parteien könnte ein Stück ans diesem Nachlasse sehrgut brauchen. Und wahrlich, wenn ich darüber zu verfügen hätte, sosollte die Verteilung folgendermaßen stattfinden: den Republikanernwürde ich das Schwert des Kaisers überliefern, dieweil sie noch dieeinzigen sind, die es zu gebrauchen verständen. Den Herren vomInste-Milieu würde ich den Mantel von Marengo zukommen lassen:und in der That, sie bedürfen eines solchen Mantels, um ihre ruhm-lose Blöße damit zu bedecken. Den Karlisten gäbe ich des Kaiser?Hut, der freilich für solche Köpfe nicht sehr Passend ist, aber ihnendoch zu gute kommen kann, wenn sie nächstens wieder aufs Hauptgeschlagen werden; ja, ich gäbe ihnen auch die kaiserlichen Stiefel, diesie ebenfalls brauchen können, wenn sie nächstens wieder davonlaufenmüssen. Was aber den Stock betrifft, womit der Kaiser bei Jenaspazieren gegangen, so zweifle ich, ob derselbe sich unter der herzoglichReichstädtijchen Verlassenschaft befindet, und ich glaube, die Franzosenhaben ihn noch immer in Händen.
Nächst dem Tode des jungen Napoleon, hörte ich die Fahrtender Herzogin von Bern; in diesen Provinzen am meisten besprechen.Die Abenteuer dieser Frau werden hier so poetisch erzählt, daß manglaubt, die Enkel der Fablianxdichter hätten sie in müßiger Launeersonnen. Dann gab auch die Hochzeit von Compisgne sehr vielStoff zur Unterhaltung; ich könnte eine Jnsektcnsammlung vonschlechten Witzen mitteilen, die ich in einem karlistischen Schlossedarüber debitieren hörte. Z. B. einer der Festredner in Compisgnesoll bemerkt haben, in Compisgne sei die Jungfrau von Orleans