Das Biirgerkönigtnm im Jahre 1832, 163
Bonapartistcn, die an eine Auferstehung des Geistes geglaubt, erblühtjetzt die beste Hoffnung. Der Bonapartismus ist für diese nicht eineÜberlieferung der Macht durch Zeugung und Erstgeburt; nein, ihrBvnnpartismus ist jetzt gleichsam von aller tierischen Beimischunggereinigt, er ist ihnen die Idee einer Alleinherrschaft der höchstenKraft, angewendet zum Besten des Volkes, und wer diese Kraft hatund sie so anwendet, den nennen sie Napoleon II. Wie Cäsar derbloßen Herrschergcwnlt seinen Namen gab, so gicbt Napoleon seinenNamen einem neuen Cäsartnme, wozu nur derjenige berechtigt ist,der die höchste Fähigkeit und den besten Willen besitzt.
In gewisser Hinsicht war Napoleon ein saintsimvnistischer Kaiser;wie er selbst vermöge seiner geistigen Superiorität zur Obergewaltbefugt war, so beförderte er nur die Herrschaft der Kapazitäten, underzielte die physische und moralische Wohlfahrt der zahlreicheren undärmeren Klassen. Er herrschte weniger zum Besten des dritten Stan-des, des Mittelstandes, des Juste-Milien, als vielmehr zum Bestender Männer, deren Vermögen nur in Herz und Hand besteht; undgar seine Armee war eine Hierarchie, deren Ehrenstnfen nur durchEigenwert und Fähigkeit erstiegen wurden. Der geringste Bauern-svhn konnte dort, ebensogut wie der Junker ans dein ältesten Hanse,die höchsten Würden erlangen und Gold und Sterne erwerben. Darumhängt des Kaisers Bild in der Hütte jedes Landmanncs, an derselbenWand, wo das Bild des eigenen Sohnes hängen würde, wenn diesernicht auf irgend einem Schlachtfelde gefallen wäre, ehe er zum Gene-ral avanciert, oder gar zum Herzog oder zum König, wie so mancherarme Bursche, der durch Mut und Talent sich so hoch emporschwingenkonnte — als der Kaiser noch regierte. In dem Bilde desselbenverehrt vielleicht mancher nur die verblichene Hoffnung seiner eigenenHerrlichkeit.
Am öftesten fand ich in den Bauernhäusern das Bild desKaisers, wie er zu Jaffa das Lazarett besucht, und wie er zu St.Helena auf dem Totenbette liegt. Beide Darstellungen tragen aus-fallende Ähnlichkeit mit den Heiligenbildern jener christlichen Religion,die jetzt in Frankreich erloschen ist. Ans dem einen Bilde gleichtNapoleon einem Heilande, von dessen Berührung die Pestkrankenzu genesen scheinen; auf dem andern Bilde stirbt er gleichsam denTod der Sühne.
Wir, die wir von einer andern Symbolik besangen sind, wirsehen in Napoleons Martyrtvd auf St. Helena keine Versöhnung indem angedeuteten Sinne, der Kaiser büßte dort für den schlimmstenseiner Irrtümer, für die Treulosigkeit, die er gegen die Revolution,seine Mutter, begangen. Die Geschichte hatte längst gezeigt, wie dieVermählung zwischen dem >sohne der Revolution und der Tochterder Vergangenheit nimmermehr gedeihen konnte, — und jetzt sehen