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9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
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DaS Blirgerkönigtnm im Jahre 1832. 155

gefangen worden, und es fügte sich jetzt, daß wieder in Compisgneeiner Jnngfrau von Orleans Fesseln angelegt würden. — Obgleichin allen französischen Blättern aufs prunkhnftcste erzählt wird, daßder Znsammenfluß von Fremden hier sehr groß und überhaupt dasBadeleben in Dieppe dieses Jahr sehr brillant sei, so habe ich dochan Ort und Stelle das Gegenteil gefunden. Es sind hier vielleichtkeine fünfzig eigentliche Badegäste, alles ist trist und betrübt, unddas Bad, das durch die Herzogin von Berry, die alle Sommer hier-her kam, einst so mächtig emporblühte, ist auf immer zu Grundegegangen. Da viele Menschen dieser Stadt hierdurch in bittersteArmut versinken und den Sturz der Bourbonen als die Quelle ihresUnglücks betrachten, so ist es begreiflich, daß man hier viele cnragiertcKnrlisten findet. Dennoch würde man Dieppe verleumden, wennman annähme, daß mehr als ein Vierteil seiner Bewohner aus Anhängcrn der vorigen Dynastie bestände. Nirgends zeigen die Nationalgarden mehr Patriotismus als hier, alle sind hier gleich beim erstenTrommelschlage versammelt, wenn exerziert werden soll; alle sindhier ganz uniformiert, welches letztere von besonderem Eifer zeugt.Das Napoleonsfest wurde dieser Tage mit ausfallendem Enthusias-mus gefeiert.

Ludwig Philipp wird hier im allgemeinen weder geliebt nochgehaßt. Man betrachtet seine Erhaltung als notwendig für dasGlück Frankreichs; für sein Regiment ist man nicht sonderlich be-geistert. Die Franzosen sind allgemein durch die freie Presse sowohlunterrichtet über die wahre Lage der Dinge, sie sind so politischaufgeklärt, daß sie kleine Übel mit Geduld ertragen, um größerennicht anheimzufallen. Gegen den persönlichen Charakter des Königshat man wenig einzuwenden; man hält ihn für einen ehrenwerten Mann.

Ronen, den 17. September.

Ich schreibe diese Zeilen in der ehemaligen Residenz der Herzögevon der Normandie, in der altertümlichen Stadt, wo noch vielesteinerne Urkunden uns an die Geschichte jenes Volkes erinnern, daswegen seiner ehemaligen Heldcufahrtcn nnd Abenteuerlichkeit undwegen seiner jetzigen Prozeßsucht und Erwerblist so berühmt ist. Injener Burg dort hauste Robert der Teufel, den Meyerbeer in Musikgesetzt; auf jenem Marktplatz verbrannte mau die Pucelle, das groß-mütige Mädchen, das Schiller und Voltaire besungen; in jeneniDome liegt das Herz des Richard, des tapfern Königs, den manselber Löwenherz, Oozur äs Uon, genannt hat; diesem Boden ent-sproßtcn die Sieger von Hostings, die Söhne Tankreds und so vieleandere Blumen normannischer Ritterschaft — aber diese gehen uns