146 Französische Zustände, I.
14, Juli die alten Bastilleustürmer, die noch am Leben sind und diejetzt eine Pension bekommen, auf diesem Platze öffentlich belorbeerenwollte. Dem Lafayctte war bei dieser Feier eine Hauptrolle zuge-dacht, Aber durch die Affaire vom S. und 6, Juni mag diesesProjekt rückgängig geworden sein; auch scheint Lafapette in diesemJahre nach keinen neuen Trinmphzngcn zu verlangen. Vielleichtgab's unter den Gruppen auf dem Bastilleuplatze mehr Polizei alsMenschen; denn es wurden bitterböse Bemerkungen so laut geäußert,wie nur verkleidete Mouchards sie auszusprechen Pflegen, LudwigPhilipp, hieß es, sei ein Verräter, die Nntionalgarden seien Verräter,die Deputierten seien Verräter, nur die JuliuSionne meine es nochehrlich. Und in der That, sie that das Ihrige und durchglühte unsmit ihren Strahlen, daß eS fast nicht zum Aushalten war. Wasmich betrifft, ich machte in der starken Hitze die Bemerkung, daß dieBastille ein sehr kühles Gebäude gewesen sein muß und gewiß imSommer einen sehr angenehmen Schatten gegeben hat. Als sie zer-stört wurde, saßen dort fünf Personen gefangen. Jetzt giebt's aberzehn Staatsgefängnisse, und in St. Pelagie allein sitzen über 666Staatsgefangene, St. Pelagie soll sehr ungesund sein und ist sehreng gebaut. Es geht aber lustig dort zu; die Republikaner und dieKarlisten halten sich zwar voneinander getrennt, rufen sich jedochbeständig lustige Witze zu und lachen und jubeln. Jene, die Repu-blikaner, tragen rote Jakobinermützen; diese, die Karlisten, tragengrüne Mützen mit einer weißen Lilienguaste; jene schreien beständigViva la repudligus! diese schreien Vivs Lsnri V! Gemeinschaft-licher Beisallruf erschallt, wenn jemand mit wilder Wut auf LudwigPhilipp losschimpft. Dieses geschieht um so unumwundener, da inSt, Pelagie kein Gefangener weder arretiert noch festgesetzt werdenkamt. Die meisten Hitzköpfe, die sonst bei jedem Anlasse gleich tumnl-tuieren, sitzen jetzt dort in Gewahrsam, und der Polizei konnte esdaher seitdem nicht gelingen, eine etwas ergiebige Entente hervorzu-bringen, Die Republikaner werden sich vor der Hand sehr hüten,Gewaltsames zu versuchen. Auch haben sie keine Waffen; die Des-armiernng ist sehr gründlich betrieben worden, —
Heute ist der Namenstag des jungen Heinrich, und man erwarteteinige karlistische Excesse, Eine Proklamation zu gunstcn Heinrichs V,wurde gestern abend durch Chiffvnniers und verkleidete Priester ver-breitet, ES heißt darin, er werde Frankreich glücklich machen undvor der fremden Invasion beschützen; nächstes Jahr ist er mündig,indem nämlich die französischen Könige schon mit 13 Jahren mündigwerden und ihre höchste Ausbildung erlangt haben. Auf jener Pro-klamation ist der juitge Heinrich zum erstenmal dargestellt mit Zep-ter und Krone; bisher sah man ihn immer in der Tracht eines Pilgersoder cineS Bergschotten, der Felsen erklimmt oder einer armen Bettel-