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9 (1898) Französische Zustände : 1
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Das Biirgerkönigtum im Jahre 1832. 145

der Notwendigkeit zu sein, dem sich bei ausländischen Anfeindungendie Nation unbedingt anschließen werde, und er scheint deshalb denKrieg nicht mehr so angstlich wie sonst zu fürchten. Die patriotischePartei bildet freilich die Minorität, und diese mißtraut ihm; siefürchtet mit Recht, daß er gegen die Fremden minder feindlich ge-stimmt sei, als gegen die Einheimischen. Jene bedrohen nur seineKrone, diese sein Leben. Daß letzteres wirklich geschieht, weiß derKönig. In der That, wenn man berücksichtigt, daß Ludwig Philippvon der blutigsten Böswilligkeit seiner Gegner in tiefster Seele über-zeugt ist, so muß man über seine Mäßigung erstaunen. Er hatfreilich durch die Erklärung des Mut äs sts^s eine unverantwort-liche Illegalität sich zu schulden kommen lassen; aber man kanndoch nicht sagen, daß er seine Macht unwürdigerweise mißbraucht habe.Er hat vielmehr alle, die ihn persönlich beleidigt hatten, großmütigstverschont, während er nur diejenigen, die seiner Regierung sich feind-lich entgegengesetzt, niederzuhalten oder vielmehr zu entwaffnen suchte.Trotz alles Mißmuts, den man gegen den König Ludwig Philipphegen mag, will sich mir doch die Überzeugung ansdrüugen, als seider Mensch Ludwig Philipp ungewöhnlich edelherzig und grvßsinnig.Seine Hauptleidenschaft scheint die Bausucht zu sein. Ich war gesternin den Tuilerien; überall wird dort gebaut, über und unter derErde; Zimmerwände werden eingerissen, große Keller werden ausge-graben, und das ist ein beständiger Klipp-Klapp. Der König, welchermit seiner ganzen Familie in St. Cloud wohnt, kommt täglich nachParis und betrachtet dann zuerst die Fortschritte der Bauten in denTuilerien. Diese stehen jetzt fast ganz leer; nur das Ministerconseilwird dort gehalten. O, wenn alte Blutstropfen sprechen könnte»,wie es in den Kindermärchen geschieht, so würde man dort manch-mal guten Rat vernehmen; denn in jedem Zimmer dieses tragischenHauses ist belehrendes Blut geflossen.

Paris, den 15. Juli.

Der vierzehnte Julius ist ruhig vorübergegangen, ohne daßdie von der Polizei augekündigte Emeute irgendwo zum Vorscheinekam. Es war aber auch ein so heißer Tag, es lag eine so drückendeSchwüle auf ganz Paris, daß jene Ankündigung nicht einmal diegehörige Anzahl Neugieriger nach den gewöhnlichen Tummelvrtender Emeuten locken konnte. Nur auf dem großen Jnauguralplatzeder Revolution, wo einst an diesem Tage die Bastille zerstört wurde,zeigten sich viele Gruppen von Menschen, die in der grellsten Mit-tagshitze ruhig ausharrten und sich gleichsam aus Patriotismus vonder JnlinSsonne braten ließen. Es hieß früherhin, daß man am

H-iue'z Werke. IX. Bd. Ig