Das Blirgerkönigtmn im Jahre 1832. 143
ziehen, als die Verletzung hergebrachter Rechtsbegriffe, wie sie nament-lich in der rückwirkenden Kraft der Bclagerungs-Erklärung liegt.Deshalb hat jene Androhung von kriegsgerichtlicher Strenge denRepublikanern einen so superiören Ton eingeflößt, und ihre Gegnererscheinen dadurch jetzt so klein.
Paris, den 7. Juli.
Eine Abspannung, wie sie nach großen Aufregungen einzutretenpflegt, ist hier in diesem Augenblicke bemerkbar. Überall graue Miß-laune, Vergrämnis, Müdigkeit, aufgesperrte Mänler, die teils gähnen,teils ohnmächtig die Zähne weisen. Der Beschluß des Kassations-hofes hat unserem sonderbaren Belagerungszustande fast lustspielartigein Ende gemacht. Es ist über diese unvorhergesehene Katastropheso viel gelacht worden, daß man der Regierung ihren verfehlten L!onpck'etirt fast verzieh. Mit welchem Ergötzen lasen wir an den Straßen-ecken die Proklamation des Herrn Montalivet,,worin er sich gleichsambei den Parisern bedankte, daß sie von dem lAack äs sisAs so wenigNotiz genommen und sich unterdessen durchaus nicht in ihren Ver-gnügungen stören lassen! Ich glaube nicht, daß Beaumarchais diesesAktenstück besser geschrieben hätte. Wahrlich, die jetzige Regierungthut viel für die Aufheiterung des Volkes!
Zu gleicher Zeit amüsierten sich die Franzosen mit einem son-derbaren Puzzlespiel. Letzteres ist bekanntlich ein chinesischer Zeit-vertreib, und man hat dabei die Aufgabe zu lösen, daß man miteinigen schiefen und eckigen Stückchen Holz eine bestimmte Figur zu-sammensetzen könne. Nach den Regeln dieses Spiels beschäftigte mansich nun in den hiesigen Salons, ein neues Ministerium zusammen-zusetzen, und man hat keine Idee davon, welche schiefe und eckigePersonnagen nebeneinander gestellt wurden, und wie alle diese hölzer-nen Kombinationen dennoch keine honette Gesamtfigur bildeten. —Mit Talleyrand und mit Dupin dem Älteren wurden die meistenVersuche angestellt. Betreffs des elfteren haben die Journale nichtermangelt, alle möglichen Unwahrheiten mitzuteilen. Daß man ihmbei der Bildung eines neuen Ministeriums eine so außerordentlicheWichtigkeit beimaß, war eine Hanpttäuschnng. Der alte Mann istalt und abgenutzt und ist vielleicht nur der persönlichsten Angelegen-heiten wegen hierher gereist. Auch behauptet man, er sei krank undschwach; denn er versichere beständig, sich noch nie so gesund undrüstig gefühlt zu haben wie eben jetzt. Er reise nun, sagte er, insBad, um seine Gesundheit und Kraft zu konsolidieren. Mit derEtonrderie eines Knaben, der die Welt noch nicht von ihrer schlechtenSeite kennt, hört man diesen Greis, der sie noch kaum von ihrer