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9 (1898) Französische Zustände : 1
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142 Französische Zustände. I.

versteckt liegt oder gar eine Tüte mit Pulver. Am meisten werdendie armen Fremden belästigt, die des Belagerungszustandes wegensich nach der Prsfecture der Police begeben müssen, um neue Aufent-halts-Erlaubnisse nachzusuchen. Sie müssen dort pro kormn allerleiJnterrogationen ausstehen. Viele Franzosen aus der Provinz, be-sonders Studenten, müssen auf der Polizei einen Revers unterschreiben,daß sie während ihres Aufenthalts in Paris nichts gegen die Regie-rung von Ludwig Philipp unternehmen wollten. Viele haben lieberdie Stadt verlassen, als daß sie diese Unterschrift gaben. Andereunterschrieben nur, nachdem man ihnen erlaubte hinzuzusetzen, daßsie ihrer Gesinnung nach Republikaner seien. Jene polizeiliche Vor-sichtsmaßregel haben gewiß die Doktrinäre nach dem Beispiele deutscherUniversitäten eingeführt.

Man arretiert noch immer, zuweilen die heterogensten Leuteund unter den heterogensten Borwünden; die einen wegen Teilnähmean der republikanischen Revolte, andere wegen einer neu entdecktenbonapartistischen Verschwörung; gestern arretierte man sogar dreikarlistische Pairs, worunter Don Chateaubriand, der Ritter von dertraurigen Gestalt, der beste Schriftsteller und größte Narr von Frank-reich. Die Gefängnisse sind überfüllt. In Saint Pclagie allein sitzenpolitischer Anklagen halber über 600 Gefangene. Von einem meinerFreunde, der wegen Schulden sich dort befindet und ein großes Werkschreibt, in welchem er beweist, daß Saint Pelagie von den Pelas-gern gestiftet worden, erhielt ich gestern einen Brief, worin er sehrklagt über den Lärm, der ihn jetzt umgebe und in seinen gelehrtenUntersuchungen gestört habe. Der größte Übermut herrscht unterden Gefangenen von Saint Pelagie. Auf die Mauer deS Hofeshaben sie eine ungeheuer große Birne gezeichnet und darüber ein Beil.

Ich kann bei Erwähnung der Birne nicht umhin zu bemerken,daß die Bilderläden durchaus keine Notiz genommen von unseremBelagerungszustande. Die Birne, und wieder die Birne, ist dortauf allen Karikaturen zu schauen. Die auffallendste ist wohl die Dar-stellung der Place de la Concorde mit dem Monument, das derCharte gewidmet ist; auf letzterem, welches die Gestalt eines Altarshat, liegt eine ungeheure Birne mit den Gesichtszügen des Königs. Dem Gemüt eines Deutschen wird dergleichen auf die Längelästig und widrig. Jene ewigen Spöttereien, gemalt und gedruckt,erregen vielmehr bei mir eine gewisse Sympathie für Ludwig Philipp.Er "ist wahrhaft zu bedauern, jetzt mehr als je. Er ist gütig undmilde von Natur, und wird jetzt gewiß von den Kriegsgerichten dazuverurteilt, strenge zu sein. Dabei fühlt er, daß Exekutionen wederhelfen noch abschrecken, besonders nachdem die Cholera vor einigenWochen über 3Sl)(>() Menschen durch die schrecklichsten Martern hin-gerichtet. Grausamkeiten werden aber den Gewalthabern eher der-