Das Burgerkönigtum im Jahre 1832. 141
iianz über den Bclagerungsstand der Stadt Paris, ihnen desto mehrgenutzt hat. Sie behaupten, daß der S. und 6. Juni nur als Vor-postcngcsccht zu betrachten sei, daß keiner von den Nvtabilitäteu derrepublikanischen Partei dabei gewesen, und daß ihnen aus dem ver-gossenen Blute viele neue Mitkämpfer erwüchsen. Was ich oben er-wähnt, scheint diese Behauptung einigermaßen zu unterstützen. DiePartei, die der „National" repräsentiert, und die von der perfiden„Gazette de France" als doktrinäre Republikauer bezeichnet wird,nahm an jenen Begebenheiten keinen Teil, und die Häuptlinge derPartei der „Tribüne", die Montagnards, sind ebenfalls nicht dabeiznm Vorschein gekommen.
Paris, den 17. Juni.
Man macht sich setzt in der Ferne gewiß die sonderbarsten Vor-stellungen von dem hiesigen.Zustande, wenn man die letzten Vorfälle,den noch unansgchobenen Mut äs LisZs und die schroffe Gegen-einanderstellung der Parteien bedenkt. Und doch sehen wir diesenAugenblick hier so wenig Veränderung, daß wir uns eben über diesenMangel an ungewöhnlichen Erscheinungen am meisten wundernmüssen. Diese Bemerkung ist die Hauptsache, die ich mitzuteilen habe,und dieser negative Inhalt meines Briefes wird gewiß manche irrigeVoraussetzungen berichtigen.
Es ist hier ganz still. Die Kriegsgerichte instruieren mit grim-miger Miene. Bis jetzt ist noch keine Katze erschossen. Man lacht,man spöttelt, man witzelt über den Belagerungszustand, über dieTapferkeit der Nationalgarde, über die Weisheit der Regierung.Was ich gleich vorausgesagt habe, ist richtig eingetroffen: das Inste-Milieu weiß nicht, wie es sich wieder aus dem Heroismus heraus-ziehen soll, und die Belagerten betrachten mit Schadenfreude diesenverzweifelten Zustand der Belagerer. Diese möchten gern so barba-risch als möglich aussehen; sie wühlen im Archiv der barbarischstenZeiten, um Greuelgesetze wieder ins Leben zu rufen, und es ge-lingt ihnen nur, sich lächerlich zn machen. Sie wollen Tyrannensein, und die Natur hat sie zu etwas ganz anderem bestimmt.
Die geputzten Menschengruppen, die in den Gärten des PalaiSRoyal, der Tuilericn, und des Luxcmbourg spazieren gehen und diestille Svmmerkühle einatmen oder den idyllischen Spielen der kleinenKinder zuschauen oder in sonstig umfriedeter Ruhe sich erlustigen,diese bilden, ohne es zu wissen, die heiterste Satire auf jenen Be-lagerungszustand, welcher gesetzlich existiert. Damit das Publikumnur einigermaßen daran glaube, werden mit dem größten Ernstüberall Haussuchungen gehalten, Kranke werden aus ihren Bettenaufgestört, und man wühlt nach, ob nicht etwa eine Flinte darin