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9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
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14V Französische Zustände, I,

gedacht hat, als exceptionelle Gerichte institniert wurden. Ja, wennes wahr wäre, daß Herr Thiers diesen Geniestreich veranlaßte, wieman jetzt behauptet, so hat dieser gewiß mit an seinen ehemaligenKollegen Garrel gedacht. Denn letzteren muß er am meisten gefürchtethaben. Er kennt genau dessen Macht, und er weiß, daß jede Partei,wenn sie siegt, zuerst ihre Renegaten züchtigt. Der Kvpf des kleinenThiers, noch erfüllt von den Charivaris der Marseiller Küchentöpfeund der Viennetschen Lobverse, muß gewiß ganz betäubt worden sein,als ihm der Donner der Kanonen und der Name Carrel ins Ohrdrangen. Man glaubte nämlich allgemein, Herr Carrel stände ander Spitze der Volksbewegung vom 5, Juni, Das große Gebäudein der Rue du Croissant, Ivo die Druckerei und die Bureaus des„National", hielt man für das Hauptquartier, und gegen zweitausendPersonen, worunter viele von hoher Bedeutung, sind dorthin gegangen,um sich tind ihren Anhang zu jeder Mithilfe anzubieten. Es istaber ganz gewiß, daß Carrel alle solche Anträge abgelehnt, und vor-ausgesagt, daß die beabsichtigte Revolution mißlinge, weil man sienicht gehörig vorbereitet; weil man sich der Sympathie des Volkesnicht versichert; weil man der nötigsten Hilfsmittel entbehre; weilman nicht einmal die agierenden Personen kenne rc. Und in derThat, nie gab es eine Empörung, die schlechter eingeleitet worden,und bis auf diese Stunde weiß man noch nicht, wie sie entstandenist und sich gestaltet hat. Jemand, der in der Rue St, Martin mit-gefvchten, versichert: Als die Republikaner, die sich dort eingeschlossenfanden, einander betrachteten, hat keiner den andern gekannt, undnur Zufall hat alle diese Menschen, die sich ganz fremd waren, zu-sammengebracht, Sie lernten sich jedoch schnell kennen, als sie sichgemeinschaftlich schlugen, und die meisten starben als herzinnig ver-traute Waffenbrüder, So hat man auch bis ans diese Stunde nochnicht ermitteln können, wie es mit der Heimführung LafayctteS eigent-lich zugegangen ist. Ein Wohlunterrichteter hat mir gestern versichert,die Regierung, die dem Lamarqueschen Leichenbegängnisse mißtrauteund deshalb auch ihre Dragoner in Bereitschaft hielt, habe der PolizeiOrdre gegeben, bei etwaigem Ausbruche von Revolte sich immer gleichdes Lafayette zu bemächtigen, damit dieser nicht in die Hände derEmpörer gerate und durch das Ansehen seines Namens sie unter-stützen könne; als nun die ersten Schüsse fielen, haben einige Polizei-agenten, als Ouvriers verkleidet, den armen Lafayette gewaltsam ineine Kutsche geschoben, und andere ebenfalls verkleidete Pvlizeiagentenhaben sich davor gespannt, und ihn unter lautem Vivs Uacknz-stts!im Triumphe davongeschleppt.

Wenn man jetzt die Republikaner sprechen hört, so gestehen sie,daß am 6, Juni das Unglück ihrer Freunde ihnen viel geschadet,daß aber tags darauf die Thorheit ihrer Feinde, nämlich die Ordon-