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9 (1898) Französische Zustände : 1
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Das Biirgerkönigüim im Jahre 1832. 129

Patrioten, deren Nationalfahnen in einer Reihe getragen wurden. Ichbemerkte darunter auch eine Fahne, deren Farben ans Schwarz,Karmoisinrvt und Gold bestanden. Um ein Uhr fiel ein starkerRegen, der über eine halbe Stunde dauerte; trotzdem blieb eine unab-sehbare Volksmenge auf den Boulevards, die meisten barhaupt.Als der Zug bis gegen das Variotös-Theater gelangt war, und ebendie Kolonne der L,rnis cln pouxüo vorüberzog, und mehrere derselbenVivo 1a UsxudUcins! riefen, fiel es einem Polizeisergeanlcn ein zuintervenieren; aber man stürzte über ihn her, zerbrach seinen Degen,und ein gräßlicher Tumult entstand; er ist nur mit Not gestilltworden. Der Anblick einer solchen Störnis, die einige hunderttausendMenschen in Bewegung gesetzt, war jedoch merkwürdig und bedenklichgenug. In den Tnilerien wollte man gestern wissen, die Herzoginvon Berry sei in Nantes gefangen, Ist dieses der Fall, so gerätLudwig Philipp in große Verlegenheit, da er die Nichte der Königin,welche letztere ihm viel vorjammert, nicht den Gerichten übergebenkann und dennoch den Argwohn von sich ablehnen muß, als ständeer in freundschaftlichem Verhältnisse mit seiner Familie in Holyrood,Von Marschall Bourmont will man bestimmt missen, er sei gefangen.Stellt man ihn vor ein Kriegsgericht, so stirbt er wie Ney, nurminder ruhmvoll und minder bedauert.

Paris, den 6. Juni.

Ich weiß nicht, ob ich in meinem gestrigen Briefe erwähnt habe,daß auf den Abend eine Emeute angesagt mar. Als LamarqnesLeichenzug über die Boulevards kam und der Auftritt beim Theaterdes Varietes stattfand, konnte man schon Schlimmes ahnen. Aufwessen Seite die Schuld, daß die Leidenschaft so fürchterlich ausbrach,ist schwer zu ermitteln. Die widersprechendsten Gerüchte herrschennoch immer über den Anfang der Feindseligkeiten, über die Ereig-nisse dieser Nacht und über die ganze Lage der Dinge, Nur einBegebnis, welches mir von mehreren Seiten aufs glaubwürdigstebestätigt wird, will ich hier erwähnen. Als Lafayette, dessen An-wesenheit bei dem Leichenzug überall Enthusiasmus erregt hatte, ansdem Platze bei dem Pont d'Anslcrlitz, wo die Totenfeier stattfand,seine Leichenrede geendet hatte, drückte man ihn: eine Jmmortellen-krone aufs Haupt, Zu gleicher Zeit ward auf eine ganz rote Fahne,welche schon vorher viel Aufmerksamkeit erregt, eine rote PhrygischcMütze gesteckt, und ein Schüler der Ecole Pvlytechnigne erhob sichauf den Schultern der Nebenstehenden, schwenkte seinen blanken Degenüber jene rote Mütze und rief; Vivo In lilzsrts! nach aüdcrer Aus-sage; Vivo la kchmbligas! Lafayette soll alsdann seinen Jmmor-

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