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9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
Seite
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128 Französische Zustände, l.

immer kurz vor Abgang der Post, so schleunig als möglich, damitdie Korrespondenten des siegenden Inste-Milieu nicht den Borsprnnggewännen diese flüchtigen Blätter teile ich hier mit, unverändert,insoweit sie auf die Insurrektion vom S, Junius Bezug haben. DerGeschichtschrciber mag sie vielleicht einst um so gewissenhafter benutzenkönnen, da er wenigstens sicher ist, daß sie nicht nach späteren Inter-essen verfertigt worden.

Wenn es auch für manche irrige Suppositionen, wie man siein diesen Blättern findet, keines besonderen Widerrufs bedarf, so kannich doch nicht umhin, eine einzige derselben zu berichtigen. DerGeneral Lafayette hat nämlich seitdem öffentlich erklärt, daß er esnicht war, welcher am ö. Junius die rote Fahne und die Jakobiner-mütze bekränzt hat. Unser alter General hat sich, wie ich erst spätererfahren, an jenem Tage ganz seiner würdig gezeigt. Eine leichtbegreifliche Diskretion erlaubt mir nicht in diesem Augenblick, einigehierauf bezügliche Umstünde zu berichten, die selbst den eingefleisch-testen Jakobiner mit Rührung und Ehrfurcht vor Lafayette er-füllen müßten.

Man wird in diesen Blättern, wie im ganzen Buche, vielenwidersprechenden Äußerungen begegnen, aber sie betreffen nie dieDinge, sondern immer die Personen. Über erstere muß unser Urteilfeststehen, über letztere darf es täglich wechseln. So habe ich überdas schlechte System, worin Ludwig Philipp wie in einem Sumpfesteckt, immer dieselbe Meinung ausgesprochen, aber über seine Personurteilte ich nicht immer in derselben Tonart. Im Beginn war ichgegen ihn gestimmt, weil ich ihn für einen Aristokraten hielt; später,als ich mich von seiner echten Bürgerlichkeit überzeugte, sprach ichschon von ihm viel besser; als er uns durch den llltak äs sisAserschreckte, ward ich wieder sehr aufgebracht gegen ihn; dies legte sichwieder nach den ersten Tagen, als wir sahen, daß der arme LudwigPhilipp nur in der Betäubung der eigenen Angst jenen Mißgriffbegangen; aber seitdem haben mir die Karlisten durch ihre Schmä-hungen eine wahre Vorliebe für die Person dieses Königs eingeflößt,und ich könnte diese noch in meinem Herzen steigern, ivenn ich ihnmit vergleichen wollte.

Paris, den S. Juni.

Der Leichenzug von General Lamargue, nn vonvoi ä'opxosition,wie die Philippisten sagen, ist eben von der Madeleine nach demBastillcnplatze gezogen; es waren mehr Leidtragende und Zuschauerals bei Casimir Periers Begräbnis. Das Volk zog selbst den Leichen-wagen. Besonders auffallend in dein Zuge waren die fremde»