Das Biirgerkönigtmn im Jahre 1832. 115
glaube es in der jüngsten Zeit bewiesen zu haben, daß meine Be-fehdung nur die Prinzipien und nicht leiblich unmittelbar die Personder Gegner betrifft. Die Enragss des Tages haben mich deshalbin der letzten Zeit als einen geheimen Bundesgenossen der Aristo-kraten verschrieen, und wenn die Insurrektion vom 5. Junius nichtscheiterte, wäre es ihnen leicht gelungen, mir den Tod zu bereiten,den sie mir zugedacht. Ich verzeihe ihnen gern diese Narrheit, undnur in meinem Tagesbericht vom 7. Junius ist mir ein Wortdarüber entschlüpft. — Der Parteigeist ist ein ebenso blindes wierasendes Tier.
Es ist aber mit dem deutschen Adel eine sehr schlimme Sache.Alle Konstitutionen, selbst die beste, können uns nichts helfen, solangenicht das ganze Adeltnm bis zur letzten Wurzel zerstört ist. Diearmen Fürsten sind selbst in der größten Not, ihr schönster Willeist fruchtlos, sie müssen ihren heiligsten Eiden zuwider handeln, siesind gezwungen, der Sache des Volkes entgegen zu wirken, mit einemWorte: sie können den beschworenen Konstitutionen nicht treu bleiben,solange sie nicht von jenen älteren Konstitntionen befreit sind, dieihnen der Adel, als er seine waffenherrliche Unabhängigkeit einbüßte,durch die seidenen Künste der Courtisanerie abzugewinnen wußte;Konstitutionen, die als ungeschriebene Gewohnheitsrechte tiefer be-gründet sind als die gedrucktesten Löschpapierverfassungen; Konstitu-tionen, deren Codex jeder Krautjunker auswendig weiß, und derenAufrechthaltung unter die besondere Obhut jeder alten Hofkatzegestellt ist; Konstitutionen, wovon auch der absoluteste König nichtdas geringste Titelchen zu verletzen wagt — ich spreche von der Etikette.
Durch die Etikette liegen die Fürsten ganz in der Gewalt desAdels, sie sind unfrei, sie sind unzurechnungsfähig, und die Treu-losigkeit, die einige derselben bei den letzten Ordonnanzen des Bundes-tags beurkundet, ist, wenn man sie billig beurteilt, nicht ihrem Willen,sondern ihren Verhältnissen beizumessen. Keine Konstitution sichertdie Rechte des Volkes, solange die Fürsten gefangen liegen in denEtiketten des Adels, der, sobald die Kastenintercssen ins Spiel kommen,alle Privatfeindschaftcn beiseite setzt und als Korps verbündet ist.Was vermag der Einzelne, der Fürst, gegen jenes Korps, das inJntriguen geübt ist, daS alle fürstlichen Schwächen kennt, das unterseinen Mitgliedern auch die nächsten Verwandten des Fürsten zählt,das ausschließlich um desseu Person sein darf, dergestalt, daß derFürst seine Edellente, selbst wenn er sie haßt, durchaus nicht vonsich weisen kann, daß er ihren holden Anblick ertragen muß, daß ersich von ihnen ankleiden, die Hände waschen und lecken lassen muß,daß er mit ihnen essen, trinken und sprechen muß — denn sie sindhosfähig, durch Erbrang zu jenen Hofchargen bevorzugt, und alleHofdamen würden sich empören und dem armen Fürsten sein eigenes
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