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Französische Zustände. 1.
Haus verleiden, wenn er nach seines Herzens Gefühlen handelte, undnicht nach den Vorschriften der Etikette. So geschah es, daß KönigWilhelm von England, ein wackerer, guter Fürst, durch die Ränkeseiner noblen Umgebung aufs kläglichste gezwungen ward, sein Wortzu brechen und seinen ehrlichen Namen zu opfern und der Achtungund des Vertrauens seines Volkes auf immer verlustig zu werden.So geschah es, daß einer der edelsten und geistreichsten Fürsten, dieje einen Thron geziert, Ludwig von Bayern, der noch vor drei Jahrender Sache des Volkes so eifrig zugethan war, und allen Unter-jochungsvcrsuchen seiner Noblesse so fest widerstand, und ihre fran-kierende Insolenz und Verleumdungen so heldenmütig ertrug, daßdieser jetzt, müd und entkräftet, in ihre verräterischen Arme sinkt undsich selber untreu wird! Armes Herz, das einst so ruhmsüchtig undstolz war, wie sehr muß dein Mut gebrochen sein, daß du, um voneinigen stvrrigen Unterthanen nicht mehr durch Widerrede inkommo-diert zu werden, deine eigene unabhängige Oberherrschaft aufgabst,und selbst ein unterthäniger Vasall wurdest, Vasall deiner natürlichenFeinde, Vasall deiner Schwäger!
Ich wiederhole, alle geschriebenen Konstitutionen können uns nichtshelfen, solange wir das Adeltum nicht von Grund aus vernichten.Es ist nicht damit abgethan, daß man durch diskutierte, votierte undsanktionierte und promulgierte Gesetze die Privilegien des Adels an-nulliert; dieses ist an mehreren Orten geschehen, und dennoch herrschendort noch immer die Adelsinteressen. Wir müssen die herkömmlichenMißbräuche im fürstlichen Haushalt vertilgen, auch für das Hof-gesinde eine neue Gesindeordnnng einführen, die Etikette zerbrechen,und, um selbst frei zu werden, mit der Fürstenbefreiung, mit derEmancipation der Könige, das Werk beginnen. Die alten Drachenmüssen verscheucht werden von dem Quell der Macht. Wenn ihrdieses gethan habt, seid wachsam, damit sie nicht nächtlicherweilewieder herankriechen und den Quell vergiften. Einst gehörten wirden Königen, jetzt gehören die Könige unS. Daher müssen wir sieauch selbst erziehen, und nicht mehr jenen hochgeborenen Prinzen-Hofmeistern überlassen, die sie zu den Zwecken ihrer Kaste erziehenund an Leib und Seele verstümmeln. Nichts ist den Völkern ge-fährlicher, als jene frühe Ilmjunkerung der Kronprinzen. Der besteBürger werde Prinzcnerzicher durch die Wahl des Volkes, und werverrufenen Leumunds ist oder nur im geringsten bescholten, werdegesetzlich entfernt von der Person des jungen Fürsten. Drängt ersich dennoch hinzu, mit jener unverschämten Zudringlichkeit, die demAdel in solchen Fällen eigen ist, so werde er gestäupt, auf dem MarktPlatz, nach den schönsten Rhythmen, und mit rotem Eisen werde ihmdas Metrum aufs Schulterblatt gedruckt. Wenn er etwa behauptet, e>habe sich an die Person deS jungen Fürsten gedrängt, um für geistreich