Das Blirgerkönigtnm im Jahre 1832. III
bekränzt haben. Der arme General sitzt zu Hanse und weint überden schmerzlichen Ausgang jener Feier, wobei er wieder, wie bei denmeisten Volksanfständen seit Beginn der Revolution, eine Nollegespielt — immer sonderbarer mit sortgezogen durch die allgemeineBewegung, und in der guten Absicht, durch seine persönliche Gegen-wart das Volk vor allzu großen Excessen zu bewahren. Er gleichtdem Hofmeister, der seinem Zögling in die Frauenhäuser folgte,damit er sich dort nicht betrinke, und mit ihm ins Weinhaus ging,damit er wenigstens dort nicht spiele, und ihn sogar in die Spiel-Häuser begleitete, damit er ihn dort vor Duellen bewahre; — kam esaber zu einem ordentlichen Duell, dann hatte der Alte selber sekundiert.
Wenn man auch voraussehen konnte, daß bei dem LamarquescheuBegräbnisse, wo ein Heer von Unzufriedenen sich versammelte, einigeUnruhen stattfinden würden, so glaubte doch niemand an den Aus-bruch einer eigentlichen Insurrektion. Es war vielleicht der Gedanke,daß man jetzt so hübsch beisammen sei, was einige Republikaner ver-anlasste, eine Insurrektion zu improvisieren. Der Augenblick warkeineswegs ungünstig gewählt, eine allgemeine Begeisterung hervor-zubringen und selbst die Zagenden zu entflammen. Es war einAugenblick, der wenigstens das Gemüt gewaltsam aufregte und diegewöhnliche Werkeltagsstimmung und alle kleinen Besorgnisse undBedenklichkeiten daraus verscheuchte. Schon auf den ruhigen Zu-schauer mußte dieser Leichenzug einen großen Eindruck macheu, sowohldurch die Zahl der Leidtragenden, die über hunderttausend betrug,als auch durch den dunkelmutigeu Geist, der sich in ihren Mienenund Gebärden aussprach. Erhebend und doch zugleich beängstigendwirkte besonders der Anblick der Jugend aller hohen Schulen vonParis, der il.mis cku xsuxls und so vieler anderer Republikaneraus allen Ständen, die, mit furchtbarem Jubel die Luft erfüllend,gleich Bacchanten der Freiheit vorüberzogen, in den Händen belaubteStäbe, die sie als ihre Thhrsen schwangen, grüne Weidenkränze umdie kleinen Hüte, die Tracht brüderlich einfach, die Augen wie trunkenvon Thatenlust, Hals und Wangen rvtflammeud — ach! auf manchemdieser Gesichter bemerkte ich auch den melancholischen Schatten einesnahen Todes, wie er jungen Helden sehr leicht geweissagt werdenkann. Wer diese Jünglinge sah in ihrem übermütigen Freiheits-rausch, der fühlte tvohl, daß viele derselben nicht lange leben würden.Es war auch ein trübes Vorbedentnis, daß der Siegeswagen, demjene bacchantische Jugend nachjubeltc, keinen lebenden, sondern einentoten Triumphator trug.
Unglückseliger Lamargue! wieviel Blut hat deine Leichenfeiergekostet! Und es waren nicht gezwungene oder gedungene Gladia-toren, die sich niedermetzelten, um ein eitel Trauergepränge durchKampfjpiel zu erhöhen. Es war die blühend begeisterte Jugend, die