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9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
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108
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1O8 Französische Zustände, i.

daß es Autoritäten achtet, daß es an die Personen glaubt, die Auto-ritäten repräsentieren, daß es in dieser Zuversicht auch der Personselbst anhängt. Der Republikanismus eines Volkes besteht demWesen »ach darin, daß der Republikaner an keine Autorität glaubt,daß er nur die Gesetze hochachtet, daß er von den Vertretern derselbenbeständig Rechenschaft verlangt, sie mit Mißtrauen beobachtet, sie kon-trolliert, daß er also nie den! Personen anhängt, und diese vielmehr,je höher sie aus dem Volke hervorragen, desto emsiger mit Wider-spruch, Argwohn, Spvtt und Verfolgung niederzuhalten sucht.

Der Ostrazismus war in dieser Hinsicht die republikanischsteEinrichtung, und jener Athener, welcher für die Verbannung desAristides stimmte, „weil man ihn immer den Gerechten nenne," warder echteste Republikaner. Er wollte nicht, daß die Tugend durcheine Person repräsentiert werde, daß die Person am Ende mehr gelteals die Gesetze, er fürchtete die Autorität eines Namens; — dieserMann war der größte Bürger von Athen, und daß die Geschichteseinen eigenen Namen verschweigt, charakterisiert ihn am meisten.Ja, seitdem ich die französischen Republikaner sowohl in Schriftenals im Leben studiere, erkenne ich überall als charakteristische Zeichenjenes Mißtrauen gegen die Person, jenen Haß gegen die Autoritäteines Namens. Es ist nicht kleinliche Gleichheitssucht, weshalb jeneMenschen die großen Namen hassen, nein, sie fürchten, daß die Trägersolcher Namen ihn gegen die Freiheit mißbrauchen möchten oder viel-leicht durch Schwäche und Nachgiebigkeit ihren Namen zum Schadender Freiheit mißbrauchen lassen. Deshalb wurden in der Revolutions-zeit so viele große populäre Freiheitsmäuner hingerichtet, eben weilman in gefährlichen Zuständen einen schädlichen Einfluß ihrer Autoritätbefürchtete. Deshalb höre ich noch jetzt aus manchem Munde dierepublikanische Lehre, daß man alle liberalen Reputationen zu Grunderichten müsse, denn diese übten im entscheidenden Augenblick denschädlichsten Einfluß, wie man es zuletzt beim Lafayette gesehen, deinman „die beste Republik" verdanke.

Nielleicht habe ich hier beiläufig die Ursache angedeutet, weshalbjetzt so wenig große Reputationen in Frankreich hervorragen; siesind zum größten Teil schon zu Grunde gerichtet. Von den aller-höchsten Personen bis zu den allerniedrigsten giebt es hier keineAutorität mehr. Von Ludwig Philipp I. bis zu Alexander, obskclss elsgnsnrs, vom großen Tallcyrand bis zu Vidocq, von GasparDeburau, dem berühmten Pierrot des Fünembülen-Theaters bishinab auf Hyazinth de Quelen, Erzbischof von Paris, von MonsieurStaub, uinrtrs tuUIsnr, bis zu De Lamartine, dem frommen Böck-lein, von Guizot bis Paul de Kock, von Cherubint bis Biffi, vonRossini bis zum kleinsten Manlaffi — keiner, von welchem Gewerbeer auch sei, hat hier ein unbestrittenes Ansehen. Aber nicht bloß