Das Biirgerkönigtum im Jahre 1832. 107
ländischen Eichen, bewaffnete sicki, stellte sich begeistert in Reih undGlied, lieh sich „Sie" titulieren, landstürmte und focht und besiegteden Napoleon; — denn gegen die Dummheit kämpfen die Götterselbst vergebens. Jetzt wollen die deutschen Regierungen jene Koppelwieder benutzen. Aber diese hat unterdessen innner im dunklen Lochangekettet gelegen und ist sehr rändig geworden, in Übeln Geruchgekommen, und hat nichts Neues gelernt, und bellt noch immer inder alten Weise; das Volk hingegen hat unterdessen ganz andere Tönegehört, hohe, herrliche Töne von bürgerlicher Gleichheit, von Menschen-rechten, unveräußerlichen Menschenrechten, und mit lächelndem Mit-leiden, wo nicht gar mit Verachtung, schaut es hinab auf die bekann-ten Kläffer, die mittelalterlichen Rüden, die getreuen Pudel und diefrommen Möpse von 1814.
Nun freilich, die Töne von 1832 möchte ich nicht samt undsonders vertreten. Ich habe mich schon oben geäußert in betreff derbefremdlichsten dieser Töne, nämlich über unsere deutschen Republi-kaner. Ich habe den zufälligen Ilmstand gezeigt, woraus ihre ganzeErscheinung hervorgegangen. Ich will hier durchaus nicht ihreMeinungen bekämpfen; das ist nicht meines Amtes, und dafür habenja die Regierungen ihre besonderen Leute, die sie dafür besondersbezahlen. Aber ich kann nicht umhin, hier die Bemerkung auszu-sprechen: der Hauptirrtum der deutschen Republikaner entsteht dadurch,daß sie den linterschied beider Länder nicht genau in Anschlag bringen,wenn sie auch für Deutschland jene republikanische Regierungsartwünschen, die vielleicht für Frankreich ganz passend sein möchte.Nicht wegen seiner geographischen Lage und des bewaffneten Einspruchsder Nachbarfürsten kann Deutschland keine Republik werden, wiejüngst der Großherzog von Baden behauptet hat. Vielmehr sind eseben jene geographischen Verhältnisse, die den deutschen Republikanernbei ihrer Argumentation zu gute kämen, und was ausländische Ge-» fahr betrifft, so wäre das vereinigte Deutschland die furchtbarsteMacht der Welt, und ein Volk, welches sich unter servilsten Verhält-nissen immer so vortrefflich schlug, würde, wenn es erst aus lauterRepublikanern bestünde, sehr leicht die angedrohten Baschkiren undKalmücken an Tapferkeit übertreffen. Aber Deutschland kann keineRepublik sein, weil es seinem Wesen nach royalistisch ist. Frankreichist im Gegenteil seinein Wesen nach republikanisch. Ich sage hiermitnicht, daß die Franzosen mehr republikanische Tugenden hätten alswir; nein, diese sind auch bei den Franzosen nicht im Überfluß vor-handen. Ich spreche nur von dem Wesen, von dem Charakter, wo-durch der Rcpublikanismns und der Royalismus sich nicht bloß von-einander unterscheiden, sondern sich auch als grundverschiedene Er-scheinungen kundgeben und geltend machen.
Der Nvyalismus eines Volkes besteht dem Wesen nach darin,