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9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
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10 Französische Zustände. I.

immer teilnehmen an ihrem Unglück. Ich werde nicht in die Heimatzurückkehren, solange noch ein einziger jener edlen Flüchtlinge, dievor allzugrvßer Begeisterung keiner Vernunft Gehör geben konnten,in der Fremde, im Elend weilen muß. Ich würde lieber bei demärmsten Franzosen um eine Kruste Brot betteln, als daß ich Dienstnehmen mochte bei jenen vornehmen Gaunern im deutschen Vaterland,die jede Mäßigung der Kraft für Feigheit halten, oder gar für prä-ludierenden Übergang zum Servilismus, und die unsere beste Tugend,den Glauben an die ehrliche Gesinnung des Gegners, für plebejischeErbdummheit ansehen. Ich werde mich nie schämen, betrogen wordenzu sein von jenen, die uns so schöne Hoffnungen ins Herz lächelten:wie alles aufS friedlichste zugestanden werden sollte, wie wir hübschgemäßigt bleiben müßten, damit die Zugeständnisse nicht erzwungenund dadurch ungedeihlich würden, wie sie wohl selbst einsähen, daßman die Freiheit uns nicht ohne Gefahr länger vorenthalten könne ..."Ja, wir sind wieder Düpes geworden, und wir müssen eingestehen,daß die Lüge wieder einen großen Triumph erfochten und neue Lor-beeren eingeerntet. In der That, wir sind die Besiegten, und, seitdie heroische Überlistung auch offiziell beurkundet worden, seit derPromulgation der deplorabeln BundeStagsbeschlüsse vom 28. Junius,erkrankt uns das Herz in der Brust vor Kummer und Zorn.

Armes, unglückliches Vaterland! welche Schande steht dir bevor,wenn du sie erträgst, diese Schmach! welche Schmerzen, wenn du sienicht erträgst!

Nie ist ein Volk von seinen Machthaber!! grausamer verhöhntworden. Nicht bloß, daß jene Bundestagsordonnanzen voraussehen,wir ließen uns alles gefallen man möchte uns dabei noch ein-reden, es geschehe uns ja eigentlich gar kein Leid oder Unrecht.Wenn ihr aber auch mit Zuversicht auf knechtische Unterwürfigkeitrechnen durftet, so hattet ihr doch kein Recht, uns für Dummköpfezu halten. Eine Handvoll Junker, die nichts gelernt haben als einbißchen Rvßtäuscherei, Volteschlagen, Becherspiel oder sonstige plumpeSchelmenkünste, womit man höchstens nur Bauern auf Jahrmärktenübertölpeln kann diese wähnen damit ein ganzes Volk bethörenzu können, und zwar ein Volk, welches das Pulver erfunden hatund die Buchdruckerei und die Kritik der reinen Vernunft. Dieseunverdiente Beleidigung, daß ihr uns für noch dümmer gehalten alsihr selber seid, und euch einbildet, uns täuschen zu können, das istdie schlimmere Beleidigung, die ihr uns zugefügt in Gegenwart derumstehenden Völker, die noch mit Erstaunen warten, was wir thnniverden. Es handelt sich jetzt nicht mehr, sagen sie, um die Freiheit,sondern um die Ehre.

Ich will nicht die konstitutionellen deutschen Fürsten anklagen,ich kenne ihre Nöten, ich weiß, sie schmachten in den Ketten ihrer