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9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
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Vorrede zur Vorrede. 7

damit ihre Anonymität bewahrt bleibe. Trotz der verstellten Schreib-weise erkenne ich doch immer die namenlosen Verfasser dieser namen-losen Niederträchtigkeiten, ich erkenne diese Lente am Stil ,L!o-Anosoo stilurn onri-rs ronmrms!" rief der edle Geschichtschreiber destridentinischen Conciliums, als der feige Dolch des Meuchelmördersihn von hinten traf.

Außer der sodvmitischen und böotischen ist aber auch die abderi-tische Partei in Deutschland gegen mich aufgebracht. Es sind danicht bloß meine französischen Prinzipien, was die meisten derselbengegen mich anreizt. Da giebt's zuweilen noch edlere Gründe. Z. B.ein Häuptling der abderitischen Partei, der seit vielen Jähren unauf-hörlich in Schimpf und Ernst gegen mich loszieht, ist nur einChampion seiner Gattin, die sich von mir beleidigt glaubt, und mirden Untergang geschworen hat. Solcher Todeshaß schmerzt mich sehr,denn die Dame ist sehr liebenswürdig. Sie hat sehr viele Ähnlichkeitmit der medieeischen Venus, sie ist nämlich ebenfalls sehr alt, hatebenfalls keine Zähne; ihr Kinn, wenn sie sich rasiert hat, ist ebensoglatt wie das Kinn jener marmornen Göttin; auch geht sie fast ebensonackt wie diese, und zwar um zu zeigen, daß ihre Haut nicht ganzgelb sei, sondern hier und da auch einige weiße Flecken habe. Ver-gebens habe ich dieser liebenswürdigen Dame die versöhnlichstenArtigkeiten gesagt, z. B. daß ich sie beneide, weil sie sich nur zweimaldie Woche zu rasieren braucht, während ich diese Operation alle Tageerdulden muß, daß ich sie für die tugendhafteste von allen Frauenhalte, die keine Zähne haben, daß ich ihr Herz zu besitzen wünsche,und zwar in einer goldenen Kapsel vergebens, hier half keineBegütigung! Die Unversöhnliche haßt mich zu sehr, und wie einstJsabella von Kastilien das Gelübde that, nicht eher ihr Hemd zuwechseln, als bis Granada gefallen sei, so hat jene Dame ebenfalls ge-schworen, nicht eher ein reines Hemd anzuziehen, als bis ich, ihr Feind,zu Boden liege. Nun setzt sie alle Skribler gegen mich in Bewegung,namentlich ihren armen Gatten, den wahrlich das isabellenfarbigeHemd seiner Ehehälfte nicht wenig inkommodiert, besonders im Sommer,wo die Holde dadurch noch anmutiger als gewöhnlich duftet sodaß er manchmal, wie wahnsinnig, aus dem Bette springt, und nachdem Schreibtische stürzt, und mich schnell zu Grunde schreiben will.

Das Brockhaus'sche Konversationsblatt enthält im Sommer weitmehr Schmähartikel gegen mich als ini Winter.

Verzeih, lieber Leser, daß diese Zeilen dem Ernste der Zeit nichtganz angemessen sind. Aber meine Feinde sind gar zu lächerlich!Ich sage Feinde, ich gebe ihnen aus Courtoisie diesen Titel, obgleichsie meistens nur meine Verleumder sind. Es sind kleine Leute,deren Haß nicht einmal bis an meine Waden reicht. Mit stumpfenZähnen nagen sie an »reinen Stiefeln. Das bellt sich müd da unten.