6 Französische Zustände. I.
nicht die französische; denn jene Erklärung der Menschenrechte, woraufunsere ganze Staatswissenschaft basiert ist, stammt nicht aus Frank-reich, wo sie freilich am glorreichsten proklamiert worden, nicht einmalaus Amerika, woher sie Lafayette geholt hat, sondern sie stammt ausdein Himmel, dem ewigen Vaterland der Vernunft.
Wie muß euch doch das Wort „Vernunft" fatal sein! Gewißebenso fatal wie den Erbfeinden derselben, den Pfaffen, deren Reichsie ebenfalls ein Ende macht, und die in der gemeinschaftlichen Notsich mit euch verbündet.
Der Ausdruck „französische Partei in Deutschland" schwebt mirheute vorherrschend im Sinn, weil er mir diesen Morgen in demneuesten Hefte des ZäinbnrAlr Usvisv besonders auffiel. Es warbei Gelegenheit einer Charakteristik der Gedichte des Herrn Ilhland,des guten Kindes, und der ineinigen, des bösen Kindes, das als einHäuptling der „französischen Partei in Deutschland" dargestellt wird.Wie ich merke, ist dergleichen nur ein Echo deutscher Zeitschriften, dieich leider hier nicht sehe. Kann ich sie aber jetzt nicht besonderswürdigen, geschieht es ein andermal zum allgemeinen Besten. Seitzehn Jahren ein beständiger Gegenstand der Tagcskritik, die entwederpro oder oontra, aber immer mit Leidenschaft, meine Schriften besprachen, darf man mir wohl eine hinlängliche Indifferenz in Betreffgedruckter Urteile über mich zutrauen; wenn ich daher, was ich bishernie gethan habe, solche Besprechungen jetzt manchmal erwähnen werde,so wird man hoffentlich wohl einsehen, daß nicht die persönlichenEmpfindlichkeiten des Schriftstellers, sondern die allgemeinen Jnteressen des Bürgers das Wort hervorrufen. Leider sind jetzt, wiegesagt, außer den politischen Blättern, sehr wenig deutsche Tageserzeugnissc in Paris sichtbar. Ich vermisse sie ungern, in jederHinsicht. Wahrlich, in dieser grandiosen Stadt, wo alle Tage einStück Weltgeschichte tragiert wird, wäre es pikant, sich manchmalgegensätzlich mit unserer heimischen Misere zu beschäftigen. Ein jungerMann hat mir jüngst geschrieben, daß er voriges Jahr einige SchmäHungen gegen mich drucken lassen, welches ich ihm nicht übel nehmenmöchte, da ihn meine antinationale Gesinnung in Leidenschaft gesetzt,und er im patriotischen Zorne seiner Worte nicht mächtig war; dieserjunge Mann hätte auch so artig sein sollen, mir ein Exemplärchenseines Opus mitzuschicken. Er scheint zu der böotischen Partei inDeutschland zu gehören, deren Unmut gegen die „französische Partei"sehr verzeihlich ist; ich verzeihe ihm von Herzen. Es wäre mir aberwirklich lieb gewesen, wenn er mir das Opus selbst geschickt hätte.Da> lob' ich nur die sodomitischc Partei in Deutschland, die mir ihreSchmähartikcl immer selbst zugeschickt, und manchmal sogar hübschabgeschrieben, und, was am löblichsten ist, immer postfrei. DieseLeute hätten aber nicht nötig, so viele Borsichtsmaßregeln zu nehmen,