schen des Stroms hinter dem Schlosse ist fürchterlich. Auf dem Schloß findet mannoch Spuren von Zimmern; und ein kleiner Theil ist noch mit einem Dache be-deckt/ und wird auch noch bewohnt. Ungefehr in der Mitte findet man einen unge-Heuer tiefen Brunnen. Wenn man einen Stein hineinwirft/ fo laßt sich aus demGeräusch des fallenden Steines abnehmen/ daß er kein Wasser enthalt: wozu mager alfo gedient haben? Etwa vielleicht/ um unglückliche Schlachtopfer der strafen-den Gerechtigkeit lebendig hinabzustürzen? Das Schloß liegt auf einem Schiefer-felfen/ und es ist auf dem Schloßberge wirklich em Schieferbruch/ wie denn der«gleichen Brüche in diesen Gegenden mehrere sind: aber die Schiefer sind weicherund gröber/ als aus andern Gegenden/ dafür aber auch wohlfeiler- / als dieienigeii/die von der Mofel herunter gebracht werden. Der Flecken ist mit einer Mauereingeschlossen. Er ist zwar klein und unansehnlich/ hat aber Stadtrechte und vieleFreyheiteii/ und sogar mehr als Neuwied selbst. Die Bürger-versehen die Thorwa-chen selbst/ und nähren sich übrigens von Handwerke»/ dem Ackerbau und der Vieh-zucht. Hier wachst schon ein trinkbarer rother Wein. Ackerbau und Viehzuchtsind/ wie überhanpt in dem ganzen Fürsteuthum, in dem blühendsten Zustande, be-sonders da der regierende Fürst das Veyfpiel selbst giebt und auf dem gleich ober-halb Neuwied gelegenen Rheinhof eine grosse Oekouomie hat, welche durch eineneigens dazu besoldeten Mann, auf Rechnung Sr. Durchlaucht, verwaltet wird.
Der Thurm, den man in der Ferne erblickt, ist der Kirchenthurm des eineStunde von Altwied entfernten Dorfes Rengsdorf.
Man muß dieses Altewied nicht mit dem im Churcöllnischm Amt Altewiek,eine Meile nordostwarts Linz gelegeneu Schloß Mewied vergvechfeln. Dieses ge-hörte im XIII. Jahrh. der Grafin Mechthilds von Wiede zuck»)
Zu
*) Fast alle Gebirge in den Gegenden des NiedsrrbeinS bestehen, wie schon Hr. Cossini bemerkt hat, ausverschiedenen Arten Schiefer; und ich habe gefu iden, daß sie von Süden nach Norden streichen.
**) Diese Grafin Mechtildis von Vcked war im 1.11-2. die Gemahlin dcS Grafen Heinrichs desGroßen von Sayn, des lehren männlichen Erben seines Geschlechts. 124« starb ihr Gemahl, undließ ihr den Nießbrauch seiner Lander. Im I. 1247 aber übergab sie die Lehen den Schwcstcrsöhncnihres Gemahls, den Grafen von Sponnbeim, und behiest nur für sich ihre ncuerworbencn Lehen, ihreeigenen Guter und verschiedene Schlösser ihres GemalM zufolge einer vom Erzbischof Siegfried zuCölln im I. 1280 bestätigten Urkunde. Sie besaß auch Güter und Leibeigene zu Niestcr, Harten-fels, Hersbach und Mettcrich, ingleichen die Gerichtbarkcit zu Lüpsdorf und Dattenberg (unweitLinz, woselbst noch ein altes Schloß steht.) Sic stund mit den Burggrafen zu Cölln und den Her-ren von Wildenburg in einer unzerthciltcn Gemeinschaft der Herrschaft Rospe (jetzt Rosbach 2.Stunden von Linz) und Wied, welchen Antheil sie von ihren Vorfahren geerbt. — Diese gegen dieGeistlichkeit so freygebige Gräfin «lachte im I. I27Z mit dem Erzbischof Siegfried (Sifried, Syverd