gene Bettstelle hat. Die ledigen Frauenzimmer wohnen im Jungfemhauseebenfalls beysammen. Fremden Mannspersonen wird der Eintritt in dieses Gy'necäum nicht gestattet. Die Verheyratheten haben besondere Wohnungen; dieEbeleuce schlafen aber nie in einem Bette, sondern ein ieder hat eine besonderekleine und enge Schlafstelle für sich. Sie leben aber übrigens in Gemeinschaft derGüter gleich den ersten Christen. Ihrem Morgcngotteödienst darf ein jeder bey-
wohnen;
II. Unterricht,den man hier gemessen kau.
1) in Sprachen; deutsch, französisch, lateinisch, griechisch, italiänisch und englisch.
2) in Künsten ; Zeichnen, Mahlen, Voeal - und Instrumentalmusik.
z) in Wissenschaften ; ausser den Lehrsätzen der gcoffenbartcn Religion, wovon keine christlicheGemeinde ausgeschlossen ist; natürliche Religion; Sittenlehre; Erdbeschreibung; Geschichte; Sta-tistik ; Bevestigungskunst; und die wichtigsten Theile der sogenannte» Wcltweisheit.
III. Sittlime Erziehung.
r) Der Unterricht in Sprachen und Wissenschaften wird, soviel möglich, so eingerichtet, daß dasHerz so sehr, als der Verstand, dabcy Nahrung erhält.
Bey jedem Theile des Unterrichts g:b' ich mir Mühe, den Zöglingen die Hpthwendigkeit, Nutz-barkeit und Annehmlichkeit davon vorher fühlbar zumachen, damit sie sich demftlbcn gerne und mitLust unterziehen.
z) Einer der besten Grundsatze der sittlichen Erziehung scheint mir dcricnigc zu scyn; wenn mander Jugend so viel Frcyheit erlaubt, als möglich ist, ohne diese Frcykeit wdoch in Ausgelassenheit aus-arten zu lassen. Eine Erfahrung von mehreren Iahren hat mich gelehrt, daß sich dadurch der Erzieherungemein das Zutrauen seiner Zöglinge erwirbt. Ist der Zögling durch Erfahrung überzeugt, daß eineabschlägige Antwort seinen Erzieher selbst Mühe kostet; so wird er geneigt die Gründe davon uupar-teyisch zu prüfen, und, im Fall sich der Erzieher nicht erklären kann, es nicht für Laune zu halten, son-dern sich geduldig darein zu ergeben. Doch muß Liebe nicht in Schwäche ausarten, sie erregt sonstVerachtung. Liebe, Ernst und Unerschütterlichkcit im gehörigen Falle, sind die Grundpfeiler der sittli-chen Erziehung.
4) Ich werde mich bemühen sie auf die Folgen ihrer eigenen oder fremden Handlungen aufmerk-sam zu machen, damit sie durch das Wohl oder Weh, welches die handelnde Person sich und andernzugezogen hat, geneigt werden die guten zu erwählen, und die schlechten zu verwerfen. Daher die Ge-schichte, welche das Schicksal ganzer Nationen und einzelner Personen unser» Augen darstellt, uns zurGrundlage der wahren Moral dienen soll.
c) Mein Hauplbcstrcbcn soll aber dahin gehen, durch mein eigenes Beyspicl meinen Zöglingen zugewe sen, daß ein: innere Ucbcrzeugung von den wichtigsten Grundsätzen der christlichen Religion demMeeschen die nöthige Stärke giebt, alle unangenehme Schicksale dieses Lebens standhaft zn ertragen,und im Glücke sich maßig zu freue».
6) Ein Tagebuch enthält eine genaue Bezeichnung der allmäh'igen Fortschritte der Z öglinge inden Künsten und Wissenschaften, und zeigt zugleich den größer» oder kleincrn Grad der Zufriedenheitan, welchen sämtliche Aufseher und Lehrer gegen ieden einzelnen Zögling geäußert haben. Am Endeeines jeden Vierteljahrs sollen den Aeltern genaue Auszüge davon geliefert werden.
?) Unsere Zöglinge finden hier mehrere Büchersammlungen » ad Lesegcsellschaften, worinnen sie«inen Vorrath von nützlichen sowohl, als angenehmen Büchern antreffen.
IV. Oeco»