Druckschrift 
2 (1804) Patriotische Phantasien, Th. 2
Entstehung
Seite
84
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XIV.

Sie tanzte gut und kochte schlecht.

Ädie das Mädchen tanzt! wie ihr die Schultern stehn!Himmel! und der Naa'en! Von dem übrigen will ichnichts sagen, ich glaube der cü W k'-irls ist wieder Modegeworden! Aber ist es nicht eine Schande, ein jungesMädchen so erziehen zu lassen ! Wenn es meine Tochterwäre: sie sollte mir anders tanzen lernen, oder sogleichzur Viehmagd verdammt werden. Ich weiß nicht, wiegewisse Eltern so blind sepn können, daß sie nicht sehen,was ihren Kindern fehlt, und ihnen bey Zeiten die Kno-chen ein wenig zn rechte biegen. — Die Frau Ober-Amtmännin würde in ihrem wohlgemcynten Eifer nochweiter fortgefahren seyn, wenn nicht der Hr. Rittmeister,der eben zn ihr trat, sie plötzlich unterbrochen hatte.Was für eine Grazie! rief er ans, indem er auf ihreeigne Tochter wies; ich glaube, ihr ganzer Körper istnichts wie Harmonie, jede Bewegimg zeigt neue Reize.Nie habe ich ein feineres Contonr gesehen; Sie scheinrnicht zn gehen, sondern zu schweben; sie muß alle ihreNerven unter den unmittelbaren Befehlen ihres Geisteshaben, sonst wäre es nicht möglich, so viele Entzückungzu verbreiten. Mich beucht, ich sehe ihre Mutter, wiesie als Braut den Ball eröffnete, und mit einem trinm-phirenden Schritte die bezauberten Zuschauer zn ihrenFüßen riß. — Stille! Stille! versetzte die Frau-Ober-Amtmännin, diese Zeiten sind vorbey, und wenn meinMädchen gut tanzt: so hat sie mir vielleicht etwas zndanken , aber doch bin ich mit ihr noch nicht so recht zu-frieden, ihr Auge ist noch etwas zu starr, und überhauptzeigt ihre unschuldige Miene, daß der Körper mehr als dieSeele tanze. — Die Unterredungen auf den Bällensind kurz, der Rittmeister ward zum Tanz gefordert, und

währen-